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Wer Vollgas durch die Wüste pflügt, darf danach auch ordentlich chillen – Rally-Style!

Wir befragten die drei KTM-Fahrer, die bei der diesjährigen Dakar auf dem Podest standen, wie sie ihre Zeit nach dem strapaziösen Rennen verbringen.

Ausgelaugt „Diese Dakar war verdammt hart. Mein Körper fühlt sich total ausgelaugt an“, so der amtierende Cross-Country-Rallies-Weltmeister und wohl beeindruckendste Dakar-Sieger der Geschichte. Toby Price hat das Unmögliche geschafft: Er hielt extreme Schmerzen aus, die ihn beinahe in den Wahnsinn trieben und ihn manchmal zwangen, mit der linken Hand am Gasgriff zu drehen. In manchen Momenten, besonders auf den Sonderprüfungen 3 und 7, fühlte er sich wie gerädert und der Sieg schien durch die Schmerzen in weiter Ferne. Trotzdem gewann er nach zehn anstrengenden Etappen das Rennen dank seines unmenschlichen Willens und seiner Konstanz. „Ich bin so froh, nicht aufgegeben zu haben“, sagte Price nach seiner Zielankunft.

Am Ruhetag in Arequipa wurden die Gewinner der Rallye Dakar der Jahre 2016, 2017 und 2018 – die später auf den Plätzen 1, 2 und 3 ins Ziel kommen sollten – von verschiedenen Medien interviewt. Obwohl keiner von ihnen zu diesem Zeitpunkt an den Sieg glaubte, war viel Lachen und Scherzen zu vernehmen. Aufgrund der Tatsache, dass er im Gesamtklassement auf dem zweiten Platz lag, musste Sam Sunderland als Erster in die Sonderprüfung 6 gehen, was bedeutete, dass er viel Zeit verlieren würde. Matthias Walkner lag auf dem siebten Gesamtrang und Toby Price auf dem Vierten. Alle drei wurden von Verletzungen geplagt. Es war tatsächlich eine harte Rally und aus diesem Grund haben wir die drei Haudegen zum Interview gebeten und sie gefragt, wie sie nach dem Rennen ausspannen

Matthias Walkner (AUT), Sam Sunderland (GBR) & Toby Price (AUS) Dakar 2019 © Marcin Kin


Toby Price In seinem ersten – etwas wagemutigeren – Motorradrennen brach er sich einen Knochen und überschlug sich mit dem Auto bei seinem ersten Rennen auf vier Rädern. Vielleicht ist es besser so, dass er keine Flugzeuge fliegt. Seine jüngste Verletzung – ein gebrochenes Kahnbein – war ein Souvenir vom letzten Test im Dezember. Als er am 1. Januar den Flieger nach Lima bestieg, war diese Verletzung alles andere als ausgeheilt. Wie ein Kasino-Spieler, der die Bank schlägt, holte er sich trotzdem den Jackpot.

Die Dakar-Feierlichkeiten sind vorüber und wir sitzen in einem Hotel in Lima, als er uns verrät: „Wenn ich wieder daheim bin, gehe ich sofort ins Krankenhaus. Das ist sowieso schon fast mein zweites Zuhause geworden.“ Sein Doktor sollte ihm später mitteilen, dass der Knochen kurz vor dem Kollaps stand und eine weitere Schraube nötig sein würde. „Ich habe bereits eine Reise organisiert, aber dahinter steht jetzt ein großes Fragezeichen. Ich sollte eigentlich mit Freunden und Familie nach Vietnam fliegen. Leider handelt es sich dabei aber um eine Motorradtour. Ich würde im Land der alten chinesischen Motorräder eine KTM 690 ENDURO R fahren und ich hatte mich schon so darauf gefreut. Wenn mit meinem Handgelenk alles gut geht, kann ich bald die zweitgrößte Höhle der Welt und eine von großen Händen aus Stein gehaltene goldene Brücke von meiner Liste streichen. Das Allerbeste daran ist aber, dass ich ein KTM-Motorrad zur Verfügung haben werde, und ich hoffe, einige großartige Aufnahmen und cooles Material für meine Vlogs sammeln zu können. Ich weiß noch nicht genau wohin, aber danach werde ich wohl einen Urlaub nur für mich buchen – an irgendeinem Ort mit weißem Strand und kristallklarem Wasser, wo ich aus einer Kokosnuss trinken und mich körperlich erholen kann“, so Toby zu seinen Plänen.

Und wie schaltet ein Toby Price in seiner Freizeit ab? „Ich liebe es, Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen. Für meine Abenteuer zuhause habe ich eine KTM 690 DUKE. Was für ein fantastisches Motorrad – ich gehe damit wahnsinnig gerne auf Entdeckungsreise. Außerdem fahre ich gerne mit dem Mountainbike und lerne gerne neue Gesichter kennen. Manchmal zieht es mich in die Stadt mit ihren vielen Möglichkeiten. An anderen Tagen möchte ich aber einfach nur raus und einen Platz finden, an dem ich ein Lagerfeuer machen kann. Schlussendlich bin ich auch nur ein ganz normaler Mensch. Motorräder sind mein Leben, dominieren es aber nicht. Ich habe gerne Spaß im Leben. Ich liebe den Strand, Zeit mit Freunden zu verbringen und mit Harley Clifford und Cory Teuniseen wakeboarden zu gehen. Das klingt jetzt vielleicht wie ein Privileg, aber glaubt es mir: Ich kann das nicht besonders gut. Ich kann nur mit Lenkern und Lenkrädern umgehen.“

Toby Price (AUS) Dakar 2019 © Marcin Kin


Matthias Walkner Eine Knöchelverletzung, die er sich auf der fünften Sonderprüfung zugezogen hatte, konnte den Sieger der Dakar 2018 auch nicht aufhalten. Mit einer starken Leistung auf jenen Sonderprüfungen, bei denen es um Fahr- und Navigationsfertigkeiten ging, konnte Matthias Walkner die 41. Rallye Dakar als Zweitplatzierter beenden. Obwohl er nicht gewann, ist er davon überzeugt, seine bis dato beste Dakar gefahren zu sein. „Ich habe es verdient, ein bisschen zu feiern, weil ich für diese Dakar wirklich hart gearbeitet habe. Es ist nicht einfach, mit der Startnummer 1 ins Rennen zu gehen, und es erhöht den Druck enorm“, gibt er zu. Da er sich aber um ein paar medizinische Probleme kümmern muss, werden die Feierlichkeiten wohl schnell vorüber sein. „In den ersten beiden Wochen nach meiner Rückkehr muss ich einige Pressetermine in Österreich wahrnehmen und meinen Freund Marcel Hirscher anfeuern.“ Ende Januar besuchte Matthias Kitzbühel, um sich eines der berühmtesten Abfahrtsrennen der Welt anzusehen, und reiste danach zum Nachtrennen nach Schladming. „Das hilft mir beim Entspannen – ein gutes Skirennen anzusehen und mit Freunden abzuhängen.“ Bei Redaktionsschluss wurde Matthias bereits erfolgreich am Knie operiert und wartet darauf, dass ihm der Bolzen aus dem Oberschenkelknochen entfernt wird. „Ich werde wohl drei oder vier Monate brauchen, um mich vollständig zu erholen, und danach, im Sommer, werde ich hoffentlich wieder Rennen fahren können – zumindest auf zwei Rädern“, so der bekennende Autonarr. Sein Sieg bei der vorjährigen Dakar wurde mit einem ganz speziellen Preis – einem brandneuen KTM X-BOW – belohnt und jetzt ist es an der Zeit, ihm auf der Rennstrecke die Sporen zu geben.

Matthias Walkner (AUT) Dakar 2019 © Marcin Kin


Sam Sunderland Für Sam Sunderland, den Sieger der Dakar 2017, war das diesjährige Rennen eine Berg- und Talfahrt. Erst auf der letzten Sonderprüfung wurde seine einstündige Zeitstrafe aufgehoben, die ihm aufgebrummt worden war, weil er zum Start von Prüfung 8 zu spät erschienen war. So wurde er auf den 3. Platz vorklassiert. „Diese Dakar war wirklich, wirklich hart und das in jeder Hinsicht: körperlich, mental und emotional. Ich hatte so viele Aufs und Abs, dass ich jetzt völlig ausgelaugt bin. Ausgelaugt, aber zufrieden, könnte man sagen. Denn offensichtlich haben wir für KTM etwas Großes erreicht. Am 8. Tag sah es nicht so aus, als könnten wir es möglich machen, aber wir gaben bis auf den letzten Meter unser Allerbestes. Die Top-Ten-Fahrer waren alle sehr stark und es war nicht klar, wer die Rallye dominieren würde. Es ging eher darum, wer die wenigsten Fehler machen würde. Dennoch bin ich extrem müde und will nur noch entspannen. Ich möchte nach Hause fahren und meinen Hund wiedersehen.  Ich habe ihn bei Freunden gelassen, weiß aber, dass er mich auch vermisst. Alle lieben Oli“, sagt er lächelnd und fügt hinzu: „Es könnte auch nicht schaden, etwas Zeit mit meiner Freundin zu verbringen, gut essen zu gehen und einfach die gemeinsamen Momente zu genießen.“ Sam gibt aber auch zu, dass er eine schlechte Angewohnheit hat. „Ich spiele stundenlang mit meiner Playstation und messe mich mit Teenagern aus aller Welt. Ich weiß, dass das nicht gerade gesund ist, aber es hilft mir beim entspannen. Natürlich ist das nicht damit vergleichbar, mit Oli in den wunderschönen Bergen von Andorra spazieren zu gehen. Ich bin froh, dort hingezogen zu sein. Die Natur dort ist wirklich umwerfend. Außerdem grenzt Andorra an Spanien, wenn mir der Sinn nach etwas mehr Sonnenschein steht“, so der Weltbürger, während er seine Tickets nach Paris zurechtlegt.

Sam Sunderland (GBR) Dakar 2019 © Marcin Kin


Fotos: Marcin Kin

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