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#TBT Throwback Thursday: Penton und KTM

John Penton, Gründer der gleichnamigen amerikanischen Offroad-Marke, spielte eine bedeutende Rolle in der Geschichte von KTM. Aufgrund seiner Initiative begann bei KTM die Serienproduktion wettbewerbstauglicher Offroadmotorräder.

In den 1950er Jahren begann sich KTM im Gelände- und Rennsport zu engagieren. Firmengründer Hans Trunkenpolz und sein Sohn Erich lebten von Beginn an für den Motorsport. Kaum verwunderlich also, dass sich die Erfolge im Offroadsport zunächst bei lokalen Veranstaltungen, später aber auch international einstellten, obwohl es noch keine Serienfertigung von KTM Wettbewerbsmotorrädern gab.

1956 konzentrierte sich KTM verstärkt auf den Geländesport. Den ersten größeren internationalen Erfolg verzeichnete KTM bei der 31. Internationalen Sechstagefahrt, dem heutigen International Six Days Enduro, vom 17. bis 22. September 1956 in Garmisch-Partenkirchen. Kurt Statzinger und Egon Dornauer gewannen in der Klasse bis 125 ccm die ersten Goldmedaillen für KTM; Fridolin Muck und Helmut Schachner sicherten sich mit der neuen KTM 175 ccm eine Bronzemedaille.

Als es 1957 zu Problemen bei der Produktion des KTM Rollers „Mecky“ kam, verlagerte sich der Fokus notgedrungen vom Rennsport auf die Serienproduktion, was auch das zwischenzeitliche Aus für die Weiterentwicklung der Rennmotorräder bedeutete. Trotzdem blieb KTM dem Geländesport treu und nahm auch weiterhin an Zuverlässigkeitsfahrten teil.

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John Penton Six Day 125

Einige Jahre später erzielte John Penton, Motorradhändler und passionierter Offroadfahrer, sportliche Erfolge in den USA. Bereits bei seinen ersten Six Days 1962 in Garmisch-Partenkirchen hatten ihn die kleinen und leistungsstarken europäischen Motorräder fasziniert. Bei Rennen in den USA startete er deshalb nicht auf einer Harley oder einem englischen Viertakter, sondern auf einer leichten NSU 175. Ein solches Motorrad wollte er auch für den amerikanischen Markt bauen und machte sich auf die Suche nach einem Hersteller, der seine Ideen verwirklichen konnte und wollte. Nach vielen Jahren Erfahrung in der Motorradbranche, und als einer der amerikanischen ISDT-Pioniere, hatte Penton sehr genaue Vorstellungen von dem Motorrad, das er in den USA verkaufen wollte.

Bei den Six Days im polnischen Zakopane 1967 traf er KTM Werksfahrer Siegfried Stuhlberger, der ihn ins KTM Werk nach Mattighofen einlud. Nachdem er von einem anderen Hersteller abgewiesen worden war, schilderte Penton seine Vorstellungen von einem kleinvolumigen, leistungsstarken und qualitativ hochwertigen Geländemotorrad bei KTM: ein 100 ccm und 125 ccm Motorrad, das es als Enduro- und Motocrossversion geben sollte.

Bei KTM Chef Erich Trunkenpolz stieß Pentons Idee auf offene Ohren, denn dieser plante schon länger, seine Modellpalette zu erweitern. Da nicht ganz ohne Risiko, einigte man sich auf folgenden Kompromiss: Penton sollte sich mit 6000 Dollar beteiligen und KTM würde einen Prototypen nach seinen Vorgaben bauen. Man traf sich auf dem Mailänder Salon, einer der weltweit größten Motorradmessen, um die Anbauteile des Prototypen auszusuchen. Bereits vier Monate später konnte Penton den ersten Prototypen in Mattighofen bewundern. Nur 103 Kilogramm wog die Maschine in GS Version; für den Antrieb sorgte der neue 125 ccm-Fünfgang-Sachs-Motor mit Graugusszylinder, den es auch mit 100 ccm gab. Während die Konkurrenz noch auf eine altmodische und schwere Vorderradschwinge setzte, kam bei der für Penton gebauten KTM eine stabile Ceriani-Gabel mit 35 mm Holmdurchmesser und 135 mm Federweg zum Einsatz. Ebenfalls von Ceriani stammten die verstellbaren hinteren Federbeine. Genauso hatte sich Penton sein Motorrad vorgestellt und in Mattighofen begann die Serienproduktion eines neuartigen Offroadmotorrads. Noch vor Jahresende wurde ein Prototyp in die USA geflogen und Penton kam nach Europa, um die endgültige Ausführung seines Motocrossmodells festzulegen.

Im Frühjahr 1968 erreichten sechs 100 ccm Penton-Prototypen die USA. So gut wie ohne Tests starteten die Prototypen kurz darauf beim Stone Mountain National Enduro in Georgia. Dabei kam es zu Problemen mit der Ziehkeilschaltung der Sachs-Motoren. Ohne großes Zögern wurden in der Penton-Werkstatt neue Muster für verbesserte Serienteile gebaut. Das führte zu einigem Mehraufwand, denn vor dem Einbau in Mattighofen mussten alle Sachs-Motoren zuerst mit überarbeiteten Teilen ausgerüstet werden.

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Erich Trunkenpolz Penton Six Day 125

Von Beginn an war die Nachfrage nach den leichten und kostengünstigen Penton-Motorrädern groß. Bereits im ersten Jahr wurden mehr als 400 der amerikanisch-österreichischen Motorräder verkauft. Knapp zehn Jahre später, als Penton den Vertrieb an KTM abgab, waren in den USA mehr als 25000 Motorräder verkauft worden.

Statt einer einfachen Modellbezeichnung, sollten Pentons Motorräder prägnante Namen bekommen. Auf seinen Vorschlag hin, erhielt die 125er den Namen „Six Day“, da die Sechstagefahrt damals der einzige internationale Endurowettbewerb mit Meisterschaftscharakter war und die Motorräder auf Zuverlässigkeit und Schnelligkeit ausgelegt sein mussten. Die 100 ccm Motorräder erhielten den Namen „Berkshire“, nach einer bekannten Offroadveranstaltung in Massachusetts.

1969 bestellte Penton 1000 „Penton Six Day 125“ für den amerikanischen Markt. Außerdem produzierte KTM weitere Fahrzeuge für den europäischen Markt, die im Gegensatz zu den Exportmodellen die Modellbezeichnungen GS 100/125 bzw. MC 125 trugen. Solche Stückzahlen erreichten andere europäische Hersteller nicht annähernd. KTM verwendete außerdem die damals modernen italienischen Ceriani-Gabeln und Oldani-Bremsen. Bis zum Jahresende waren aus den ursprünglich geplanten 1000 „Penton Six Day 125“ bereits 3000 Stück geworden.

Etwa ein Jahr nach den ersten Gesprächen in Mattighofen gingen bei den Six Days 1968 im italienischen San Pellegrino mehrere Penton-KTMs an den Start. Dabei war auch das amerikanische Silbervasenteam mit John Penton, seinem Sohn Tom, Dave Mungenast und Leroy Winters. Erwin Lechner und KTM Chef Trunkenpolz halfen bei der Betreuung des amerikanischen Teams tatkräftig mit, wodurch fehlendes technisches Wissen und fehlende Reglementkenntnisse ausgeglichen werden sollten. Die Unterstützung zahlte sich aus: Von 22 Mannschaften belegte das amerikanische Silbervasenteam am Ende den zehnten Platz!

Schon nach kurzer Zeit war die Penton-KTM nicht nur erste Wahl in Nordamerika, sondern auch bei Privatfahrern in Europa und Penton wurde der erste KTM Importeur in den USA.

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Penton Six Day 125

Die Kooperation mit Penton war für KTM ein Glücksgriff: durch eine perfekt geplante Modellpolitik konnten die Österreicher den Umsatz um 25% steigern und das trotz einem stagnierenden Motorradmarkt in Österreich. Ein entscheidender Faktor für diese Umsatzsteigerung war der erfolgreiche Absatz von Motorrädern durch die Firma Penton. Begünstigt wurde die Umsatzsteigerung auch durch den Erfolg der amerikanischen Mannschaft bei der 44. Internationalen Sechstagefahrt in Garmisch-Partenkirchen. Unglaubliche 38 Siege hatte Penton und sein Team bei Geländefahrten und Motocrossrennen in der 100 ccm und 125 ccm Klasse eingefahren.

Bei der Internationalen Sechstagefahrt 1970 im spanischen El Escorial belegte die Mannschaft um die Penton-Söhne Jeff, Jack und Tom in der Silbervasenwertung den fünften Platz und machte Penton-KTM damit endgültig zum konkurrenzfähigen Hersteller von Offroadmotorrädern.

Wegen der guten Verkaufserfolge in den USA wollte Penton die Modellreihe um ein 175 ccm-Modell namens „Jackpiner“ ergänzen, aber weder KTM noch Sachs verfügten über einen entsprechenden Motor. Als Notlösung rüstete Penton daraufhin einige Modelle mit einem selbstentwickelten 152 ccm-Zylinder aus, um die Zeit bis zur Produktion eines KTM Motors zu überbrücken. Denn KTM hatte bereits Anfang 1970 mit der Entwicklung eines 17 5ccm Sportmotors begonnen. Er sollte die Basis für weitere hubraumstärkere Varianten sein und wurde bereits ein Jahr später in einem neuentwickelten Fahrgestell mit Doppelscheifenrahmen aus Chrom-Molybdänrohr präsentiert. Ende des Jahres wurde der selbst entwickelte Sportmotor für die Motocross und Geländesportmodelle der Öffentlichkeit präsentiert und ging im Herbst 1971 in Serie. Die konstruktiven Elemente dieses hochmodernen Motors waren lange Zeit die Basis der KTM Offroadmotorräder.

In den darauffolgenden Jahren war Penton immer weniger an der Entwicklung neuer Modelle beteiligt, dennoch klebten in den USA bis ins Jahr 1977 Pentonaufkleber auf KTM Motorrädern. Erst als 1978 in Lorain/Ohio die Tochterfirma „KTM America Inc.“ gegründet wurde und Penton den Vertrieb an KTM abgab, wurde das Penton-Emblem durch das damals weiß-blaue KTM Logo ersetzt.


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