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Taylor Robert und die Enduro-Weltmeisterschaft

Der Amerikaner Taylor Robert stellt sich in dieser Saison den weltbesten Enduro-Piloten. Der Mann aus Arizona bestreitet auf einem KTM 350 EXC-F Werksmotorrad die Enduro-Weltmeisterschaft, erfüllt sich damit einen langgehegten Traum und nach fünf Jahren bei den International Six Days Enduro weiß er ungefähr, was ihn erwartet. Wir trafen Taylor während der Saisonvorbereitung, sprachen mit ihm über den Grund für seinen Wechsel und wie seine Pläne kurz vor dem ersten Rennen aussehen.

„Ich bin Fabio (Farioli) und meinem Boss Antti (Kallonen) vom Team KTM USA ein bisschen auf die Nerven gegangen. Vor einigen Jahren unterschrieb ich bei KTM und konnte ein paar gute Ergebnisse bei den International Six Days Enduro einfahren. Fabio sah, dass ich ein ziemlich guter Fahrer bin, also begannen Fabio und Antti letztes Jahr nach den Six Days miteinander zu sprechen und fragten mich, ob ich Interesse hätte, nach Europa zu kommen und die ganze Serie zu fahren“, erklärt Taylor das Zustandekommen der Entscheidung.

„Es ist etwas, das ich schon eine ganze Weile machen wollte. Es bedeutet viel Reiserei für mich, denn ich lebe weiterhin in den USA, aber ich mag die Art des Rennens und es passt sehr gut zu mir und ich freue mich darauf, es auszuprobieren“, erzählt der Amerikaner weiter.

Taylor Robert (USA) 2016

Taylor Robert (USA) 2016


Als ehemaliger Motocrosser, wechselt Taylor jetzt in den Enduro-Sport und hat in den letzten Jahren bereits einzelne Hard Enduro-Events, X-Games-, EnduroCross- und SuperEnduro-Rennen bestritten. Seit er 2014 seinen Vertrag bei KTM unterschrieb, hat er weltweit eine ganze Reihe an treuen Fans gewonnen und freut sich auf die Chance, in der Enduro-Weltmeisterschaft zu fahren. Der 26-jährige Amerikaner wird weiterhin in seiner Heimat in Scottsdale, Arizona leben, denn dort hat er seinen Trainer, seine Trainingsstrecken und kann auf die Unterstützung durch KTM USA zählen. Gleich im ersten Jahr, seinem Lernjahr, nach Europa zu ziehen, könnte ein zu großer Kulturschock sein, aber Robert blickt optimistisch in die Saison.

„2010 bin ich zum ersten Mal bei den Six Days gefahren. Der mittlerweile leider verstorbene Kurt Caselli drängte mich, dort zu starten und am Ende probierte ich es. Ich habe eine Menge von ihm gelernt; er kam zu ein paar Rennen der Enduro-Weltmeisterschaft und ich wusste, wir hatten die gleiche Mentalität und die gleichen Ziele. Man bot ihm an, im KTM Rally Factory Team zu fahren, ein großartiges Angebot, er akzeptierte und zur gleichen Zeit sprach ich mit KTM über einen Vertrag“, erzählt Taylor weiter.

„Jetzt stehen wir hier, zwei Jahre später, und sie bieten mir die Chance, in der Enduro-Weltmeisterschaft zu fahren. Ich denke, Kurt war daran nicht ganz unbeteiligt; er war jemand, zu dem ich aufgeschaut und von dem ich viel gelernt habe. Er hat oft davon gesprochen, wie schnell die Jungs in der Weltmeisterschaft sind und wie wichtig Offroad in Europa ist. Wir haben ein großes Team und es ziemlich cool, ein Teil davon zu sein; ich bin gespannt, wie es mir in den Rennen gehen wird.“

Taylor Robert (USA) KTM 350 EXC-F MJ2016

Taylor Robert (USA) KTM 350 EXC-F MJ2016


Es ist ein großer Schritt für Taylor, denn die meisten Orte und Strecken, auf denen er diese Saison fahren wird, kennt er nicht. Es ist schwierig für ihn, sich vorzubereiten, weil er nicht genau weiß, was ihn erwartet, obwohl er zuvor in den USA in fast allen Serien gefahren ist. Sein Plan ist es, im Training sein Bestes zu geben und zu hoffen, dass sich das harte Training auszahlt; die Voraussetzungen sind gut, war er in den letzten Jahren der am besten platzierte Amerikaner bei den Six Days.

„Ich bin bisher wirklich nur die Six Days gefahren, aber noch nie ein Rennen der Enduro-Weltmeisterschaft. Fünf Mal war ich mittlerweile bei den Six Days und habe mich jedes Mal konstant verbessert. In den USA haben wir nichts, was mit der Enduro-Weltmeisterschaft vergleichbar wäre. Wir haben viele Offroad-Serien, aber es sind eher Cross Country-Rennen mit vielen Runden auf immer dem gleichen Kurs. Es gibt auch eine Enduro-Serie, aber ich bin dort noch nie ein Rennen gefahren und es ist ganz anders als in Europa, meist einer Spur und die Wertungsprüfungen sind um die 40 Minuten lang.“

„Es besteht großes Interesse“, sagt Taylor, als wir ihn auf die Enduro-Weltmeisterschaft ansprechen. „Ich weiß nicht, wie groß das Interesse wirklich ist, denn ich bin so involviert und jeder, mit dem man spricht, kennt sich aus. Man kommt nur wenig mit „Außenstehenden“ in Kontakt“. Alle, die mich kennen, sind aufgeregt, mich fahren zu sehen und zu erleben, wie ich mich schlage. Ich bin mir nicht sicher, ob die breite Öffentlichkeit genauso interessiert ist, aber ich habe viel in den sozialen Medien gepostet und viel positives Feedback bekommen. Es ist wirklich eine großartige Gelegenheit für mich und die amerikanischen Fahrer generell. Ich glaube, es gab bisher nur zwei Amerikaner, die eine ganze Saison in der EWC gefahren sind. Beide waren nicht in Werksteams“, erklärt Taylor.

„Hinter mir steht ein tolles Team und jeder gibt 100%. Es ist schwierig für europäische Fahrer unterstützt zu werden, für Amerikaner ist es also nochmal etwas härter, Fuß zu fassen. Die Lebensart ist hier ganz anders; sei es die Zeit, zu der sie zu Abend essen, was sie frühstücken … wir sind mit dem ganzen Team hier und es werden so viele Sprachen gesprochen, es ist irgendwie verrückt. In den USA sind sich alle irgendwie ähnlicher, rund um die Ihr, sieben Tage die Woche kannst du zu Walmart gehen und kriegst alles, was du brauchst. Deshalb nehme ich das Reisen in Kauf, damit ich nicht den totalen Kulturschock erlebe“, erzählt er weiter.

Taylor Robert (#33), Ivan Cervantes (#25), Christophe Nambotin (#7) KTM 250 EXC-F & KTM 350 EXC-F MY2016

Taylor Robert (#33), Ivan Cervantes (#25), Christophe Nambotin (#7) KTM 250 EXC-F & KTM 350 EXC-F MJ2016


In der letzten Saison ist Taylor die SuperEnduro-Weltmeisterschaft gefahren und erzielt ein paar Podiumsplätze, aber in der amerikanischen Indoor-Serie erlebte er in den letzten fünf Jahren zahlreiche Siege, Podiumsplätze und gewann eine Gold- und Silbermedaille bei den X-Games.

„Die SuperEnduro-Serie ist hart, denn es gibt viele wirklich gute Fahrer. Die besten Fahrer aus den USA und die Spitzenfahrer aus Europa kämpfen in Kopf-an-Kopf-Rennen um den Sieg. Die Starts sind in der Weltmeisterschaft besonders wichtig. In den USA gibt es ein Main Event, das 15 Minuten dauert, wenn man da einen Fehler macht, kann man die Zeit gut machen, aber wenn man den Start bei einem SuperEnduro-Rennen vermasselt, ist es vorbei, da das Rennen zu kurz ist (etwa acht Minuten).“

„Für die EnduroCross- und SuperEnduro-Rennen musste ich viel arbeiten, einfach weil ich vom Motocross komme und zwischendurch Enduro gefahren bin. Meine Konkurrenten sind ehemalige Trials-Fahrer und alle Werksfahrer in der SuperEnduro-WM – Taddy, Jonny, Alfredo, Colton, Cody und so weiter – haben diesen Trials-Hintergrund. Ich habe ein Trials-Bike gekauft, um zu trainieren, aber es ist einfach so schwierig, mit den Jungs mitzuhalten, die das schon ihr ganzes Leben machen. Sie haben so eine gute Kontrolle über das Motorrad; durch das Training werde ich jedes Jahr ein bisschen besser auf dem Trials-Bike, aber es ist so schwierig zu diesen Jungs aufzuschließen.“

In der Enduro-Weltmeisterschaft starten in dieser Saison mit Christophe Nambotin und Ivan Cervantes zwei erfahrene Piloten und daneben mit Taylor und Nathan Watson zwei Rookies für KTM. Es ist eine gute Kombination, in der die nächste Rennfahrergeneration von den Besten lernen kann. Taylor wird die Saison mit dem komplett neuen KTM 350 EXC-F Werksmotorrad bestreiten.

„Mit Nambo und Cervantes läuft es sehr gut. Ich kenne Ivan von den Six Days, wir sind zusammen ein Rennen in Argentinien gefahren. Alle im Team sind wirklich cool und haben mich willkommen geheißen; sie haben mir nicht das Gefühl gegeben, dass sie mir nicht helfen wollten. Ich bin sehr froh, hier zu sein. Es ist toll, zwei Rookies im Team zu haben, mich und Nathan und daneben zwei Veteranen, das ist eine gute Mischung.“

„Die neue EXC ist wirklich gut. Seit letztem Mai fahre ich das Motocross-Modell und damit bin ich letztes Jahr alle Rennen und die SuperEnduro-WM gefahren. Ich bin daran gewöhnt, wie sich das Bike anfühlt; die EXC ist natürlich anders, da es das Enduro-Modell ist und das PDS-Federbein hat, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Was das Chassis angeht, ist es ein großer Schritt vorwärts – das Bike fühlt sich in jeder Hinsicht besser an. Es ist leichter, beweglicher und so einfach zu fahren. Ich bin eher klein, daher kommt mir das kleinere Modell entgegen.“

KTM 350 EXC-F MJ2016

KTM 350 EXC-F MJ2016


Taylor bereitet sich auf das erste Rennen der Enduro-Weltmeisterschaft am 9. April vor und wird bis dahin noch viele Tests, sowohl in Europa, als auch in den USA absolvieren.

„Wir testen in Europa und kommen mit den Bikes jetzt in die entscheidende Phase. Seit September arbeiten wir daran, haben die Arbeiten im November abgeschlossen. Jetzt sind wir hier für das Teamshooting und fahren die Bikes zum ersten Mal. Nach diesem Test fahre ich nach Hause. Das ist das tolle an KTM; ich habe KTM Nordamerika und WP USA, die mich zu Hause unterstützen und ich kann nach Europa kommen, wenn ich an größeren Dingen arbeiten muss. Ich kann das erste Rennen kaum erwarten.“

Taylor Robert (USA) 2016

Taylor Robert (USA) 2016


Fotos: KTM

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