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Supersport 300: Weitere Erfolge in Orange

Die starke Verbindung zwischen KTM und den Niederlanden ist kaum zu übersehen. Jeffrey Herlings und Glenn Coldenhoff fahren weiterhin Sieg um Sieg für den österreichischen Hersteller ein, während die orange gefärbte Verbindung vom Einstieg des KTM Fortron Racing Teams in die World Supersport 300-Serie weiter gestärkt wird.

Viele Jahre lang war Arie Vos der Mann, den es in den Niederlanden zu schlagen galt. Er fuhr sowohl in der Supersport 600- als auch in der Superbike-Klasse allen anderen um die Ohren. Er holte insgesamt acht nationale Titel und versuchte sein Glück auch international. Leider verlief dieses Abenteuer nicht nach den Vorstellungen des Niederländers. Nachdem er diese Chance vergeben hatte, bekam er nie eine zweite, da er seine Rennkarriere relativ spät begonnen hatte. „Als ich mein erstes Wild-Card-Rennen in der World Supersport 600-Klasse bestritt, war ich bereits 28 Jahre alt. Zu jenem Zeitpunkt fuhr ich erst seit drei Jahren Rennen“, erklärt Vos. „Ich machte schnell Fortschritte, mein Alter spielte aber natürlich eine gewisse Rolle. Bei diesem Wild-Card-Rennen kam ich als Achter ins Ziel, was kein schlechtes Ergebnis war. Wäre ich zu dieser Zeit zwanzig gewesen, hätte der Versuch ganz anders ausgehen können. Ich bin darüber nicht traurig; ich hatte eine tolle Zeit und gewann acht nationale Titel. Ich habe alles gegeben.“

Arie Vos (NED) © Shot Up Productions


Der frühere Rennfahrer hat seine Rennstiefel vor ein paar Jahren an den Nagel gehängt und verbringt seine Zeit heute damit, junge Talente im Motorsport aufzubauen. Als Co-Eigentümer von Vos Oss Motoren (ein KTM-Händler im Süden der Niederlande) ist er seit 2015 Teil des populären KTM RC CUP. „Wenn du zurücktrittst, freust du dich zuerst einmal darüber, dass du wieder freie Wochenenden hast und nicht jedes davon an einer Rennstrecke verbringen musst. Du kannst einfach machen, was du willst. Zeit mit den Kindern verbringen zum Beispiel, was viel Spaß macht und mir sehr wichtig ist. Dann aber bekam ich die Chance, den Cup in den Niederlanden auszurichten, und stürzte mich kopfüber in dieses Abenteuer. Ich liebe es, jungen Fahrern zu ermöglichen, Rennen zu fahren und dabei Spaß zu haben – genau wie ich damals. Es freut mich, ihnen dabei zu helfen, in diesem Sport ganz nach vorne zu kommen, wenn das möglich ist.“

Hektische Vorbereitungen Der Start der World Supersport 300 im Jahr 2017 machte es Vos möglich, diesen Traum wahr werden zu lassen, sein eigenes Team aufzubauen und in einer Weltmeisterschaft anzutreten. „Für mich ist diese Meisterschaft einfach perfekt. Eigentlich wollte ich bereits letzte Saison einsteigen, KTM war aber nicht sofort konkurrenzfähig und da KTM nichts unternimmt, ohne voll und ganz vorbereitet zu sein, mussten wir uns noch gedulden.“ Dann bekam perfekte Vorbereitung einen Namen: KTM RC 390 R. „Die Veränderungen sind nicht massiv, helfen aber definitiv dabei, den Spaß auf der Strecke zu maximieren. Obwohl nur kleine Veränderungen vorgenommen wurden, kostete ihre Entwicklung Zeit und Geld. Das machte die Vorbereitungen etwas hektisch für uns.“

Die letzten Wochen waren hart für Vos und seinen Bruder, der währenddessen auch noch das Geschäft am Laufen halten musste. „Es war praktisch unmöglich, beides unter einen Hut zu bringen und so kann ich es kaum erwarten, die ersten beiden Rennen hinter uns zu bringen. Dann können wir mal durchatmen, da zu dem Zeitpunkt alles gut für uns laufen sollte. Leider war die letzte Zeit besonders stressig, da wir die Teile erst sehr spät in der Vorsaison bekamen.“ Obwohl es sich den Start wohl anders vorgestellt hatte, lieferte das KTM Fortron Racing Team bei den ersten beiden Tests in Aragon eine tapfere Performance ab. Die KTM RC 390 R war zwar noch nicht in Topform, zeigte mit Zeiten im Mittelfeld aber, das mit ihr zu rechnen sein wird.

Glenn van Straalen (NED) KTM RC 390 R © Shot Up Productions


Vertrauensschub Alle drei Fahrer gaben der Konkurrenz einen Vorgeschmack darauf, dass sie nicht gekommen sind, um Schabernack zu treiben, sondern um Rennen zu gewinnen. Alle drei niederländischen Fahrer des KTM Fortron Racing Teams kommen direkt aus dem KTM RC CUP, was ein großer Vorteil ist. Da das Basis-Bike identisch ist, sind sie mit der Technik bereits gut vertraut. Glenn van Straalen ist der Nummer-1-Fahrer, nachdem er sich in den letzten zwei Saisonen den Titel im RC CUP holen konnte. Der 17-Jährige aus der Provinz Nordholland ist auch der einzige Fahrer im KTM Fortron Racing Team, der bereits etwas Erfahrung in der World Supersport 300-Serie sammeln konnte. „Letztes Jahr trat ich mit einer Wild Card in Assen an. Da die KTM noch nicht homologiert war, ging ich auf einer Honda CBR500 ins Rennen. Dieses Bike unterscheidet sich gravierend von meiner KTM, sodass ich etwas Zeit brauchte, um mich umzustellen. Dann hatte ich im FP1 einen Crash, sodass ich noch weniger Zeit hatte, um mich an das Bike zu gewöhnen. Ich beendete das Qualifying auf dem enttäuschenden 16. Platz, machte im Rennen aber einige Plätze gut. Nachdem sich die Führungsgruppe zerstreut hatte, nahm ich mir einen nach dem anderen vor. Bis zur letzten Runde hatte ich mich an die Spitze durchgekämpft und konnte mir am Ende einen Platz am Podium sichern.“

Dieser zweite Platz gab Van Straalens Selbstvertrauen einen gewaltigen Schub, was dafür sorgte, dass auch der Rest der Saison 2017 zu einem Erfolg für ihn wurde. Außer dem Titel im KTM RC CUP gewann er auch die niederländische Supersport 600-Klasse. Obwohl er bereits eindrucksvoll gezeigt hat, wozu er auf einem hubraumstärkeren Bike fähig ist, hat er sich bewusst für einen Start in der World Supersport 300 entschieden. „Vom Gewicht und meiner Größe her bin ich sogar besser für die 600er geeignet. Trotzdem weiß ich, dass ich in der 300er-Meisterschaft bessere Ergebnisse erzielen kann. Ich fahre jetzt schon seit drei Jahren Rennen mit der KTM RC 390; Ich kenne das Bike in- und auswendig. Dazu kommt, dass ich die Chance bekomme, auf Strecken zu fahren, auf denen ich noch nie gefahren bin. So gesehen ist die Supersport 300 eine tolle Klasse, um diese kennenzulernen.“

Glenn van Straalen (NED) KTM RC 390 R © Shot Up Productions


Ein wichtiger Punkt Obwohl der 23-Jährige der älteste Fahrer im Feld ist und über viel Erfahrung verfügt, bringt Koen Meuffels einen – sprichwörtlich – größeren Vorteil mit. Meuffels, ein Handy-Verkäufer aus Someren (Nordbrabant) misst nur 1,60 m und wiegt 48 Kilo; man könnte sagen, er sei wie für die KTM RC 390 R gemacht. „Ja, das wird mir in dieser Klasse sicher helfen. Ich passe perfekt hinter die Verkleidung; alles, was übersteht, macht dich langsamer, weil du nicht die Power hast, um das auszugleichen.“ Nach einer durchwachsenen Zeit in den Jahren 2015 und 2016 ist sein Wille, sein Talent zu zeigen, in der letzten Zeit nur noch größer geworden. „Aufgrund meiner Epilepsie musste ich in der niederländischen Supersport 600-Klasse zwei Jahre pausieren. Ich durfte nicht fahren. Als ich dann endlich für fit erklärt wurde, fiel meine Wahl auf die KTM RC 390 Cup. Da ich zuvor eine 600er pilotiert hatte, fühlte sich das zuerst wie ein Rückschritt an, ich bin mit meiner Entscheidung aber zufrieden. Jetzt habe ich die Chance, in einer Weltmeisterschaft mitzufahren, was in der 600er-Klasse wesentlich schwieriger gewesen wäre.“

Seine Rookie-Saison in der World Supersport 300 ist ein wichtiger Punkt in Meuffels’ Karriere. Die Resultate, die er in diesen acht Rennen auf den Asphalt zaubern kann, werden über seine Zukunft im Motorsport entscheiden. „Da heißt es‚ jetzt oder nie‘“, hält der KTM-Fahrer fest. „Wenn ich Ende September, beim letzten Rennen in Magny-Cours, mit meiner Saison unzufrieden bin, schmeiße ich das Rennfahren komplett hin. Vielleicht helfe ich stattdessen jungen Fahrern, werde selbst aber keine Rennen mehr bestreiten. Mein Ziel war immer, in einer Weltmeisterschaft zu fahren, und das habe ich jetzt erreicht. Ich will zeigen, wozu ich in der Lage bin. Wenn das aber nicht genug sein sollte, muss ich auch zu mir selbst ehrlich sein. Sollte ich aber gut abschneiden – womit ich stark rechne – dann kann ich hoffentlich eine Klasse aufsteigen. Obwohl eine weitere Saison in der World Supersport 300 auch keine schlechte Idee wäre. Das kommt darauf an, was sich auftut.“

Koen Meuffels (NED) KTM RC 390 R © Shot Up Productions


Vererbte Schnelligkeit Der dritte Fahrer im Bunde trägt nicht ohne Grund den Namen Vos – Ryan Vos ist schließlich Arie Vos’ Neffe. Im Gegensatz zu seinen beiden Landsmännern verfügt der 18-jährige Vos über wenig Erfahrung. Die einzige Rennerfahrung, die Ryan Vos vorweisen kann, konnte er in den letzten beiden Jahren im KTM RC CUP sammeln. Seine guten Resultate haben bewiesen, dass ihm das Rennfahren wohl im Blut liegt. Mit schnellen Schritten arbeitete sich der schnell lernende Niederländer in den letzten beiden Jahren nach vorne. „Ich verdanke meinem Vater und meinem Onkel unglaublich viel, seit ich mit dem Rennfahren begonnen habe. Die beiden haben mir geholfen, wo sie nur konnten. Ich weiß, dass ich noch zu unerfahren bin, mein Onkel hat mir aber versichert, dass ich bereit bin, den nächsten Schritt zu machen. Aus diesem Grund bin ich zuversichtlich, dass ich auch in der Weltmeisterschaft gute Ergebnisse liefern werde. Ich muss zwar noch viel lernen, habe aber auch zwei erfahrene Teamkollegen, von denen ich mir viel abschauen kann. Und dann ist da noch mein Onkel, der mir dauernd Tipps und Tricks gibt. Ich hoffe, dass ich ihr Vertrauen in dieser Saison belohnen kann!“

Ryan Vos (NED) KTM RC 390 R © Shot Up Productions


Mit Auszeichnung Es sieht so aus, als sei die KTM RC 390 R in den richtigen Händen, schließlich holte das KTM Fortron Racing Team gleich beim ersten Antreten seinen ersten Sieg. Koen Meuffels gewann das erste World Supersport 300-Rennen in Aragon in beeindruckender Form. „Es ist etwas ganz Besonderes, den ersten Sieg für KTM in dieser Meisterschaft zu holen“, so Meuffels einen Tag nach der Champagnerdusche. „Ich brauchte einen guten Start und das habe ich geschafft. Nachdem ich es mir in der Spitzengruppe gemütlich gemacht hatte, wartete ich auf meine Chance und holte in der letzten Runde den Knüppel aus dem Sack. Alles lief genau so, wie ich es geplant hatte. Ich wollte als dritter Fahrer auf die Zielgerade einbiegen. Ich rechnete mir aus, dass ich den Windschatten der beiden vor mir fahrenden Jungs ausnutzen könne, um ganz nach vorne zu preschen. Ich bin mir nicht sicher, ob derselbe Trick noch einmal funktionieren würde, da die Abstände schon ziemlich klein sind. Du musst schon ein Ass im Ärmel haben und deine Chance nutzen, wenn sie sich auftut. Wenn du das schaffst, kannst du gewinnen.“

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Scott Deroue (NED), Koen Meuffels (NED) & Mika Perez (ESP) Aragon (ESP) 2018 © KTM

„Ein Traum geht in Erfüllung“, so der stolze Team-Manager. „Die Vorbereitungen auf die Saison verliefen so hektisch, aber dieser Erfolg macht all das wieder wett. So macht man das! Wir haben gezeigt, was die KTM RC 390 R leisten kann, und möchten uns ganz herzlich bei KTM bedanken. KTM hat extrem hart gearbeitet, um ein Bike für diese Weltmeisterschaft zu bauen. Wie man sieht, macht sich harte Arbeit bezahlt, und wir sind überglücklich!“

Nicht nur Meuffels gab 100%. Auch Van Straalen war zur Stelle, als es um alles ging. Nur in der Schlussphase fiel er etwas ab und verpasste als 7. knapp das Podium. Ryan Vos fiel leider aus, aber dennoch gelang es allen drei KTM-Fahrern zu zeigen, dass sie nicht durch Zufall in der World Supersport 300-Serie sind. Ein vielversprechender Start, der einem den Mund für weitere Erfolge in Orange wässrig macht. Wird es das KTM Fortron Racing Team im Laufe der Saison weitere Male ganz nach oben schaffen? Arie Vos: „Jeder einzelne Fahrer in der Spitzengruppe hat das Zeug, Rennen zu gewinnen. Momentan haben wir zwei Fahrer, die es mit den Allerbesten aufnehmen können. Es ist unmöglich zu sagen, ob sie diese Erwartung auch weiterhin erfüllen können, wir haben aber gute Chancen. So viel steht fest.“

Ryan Vos (NED), Glenn van Straalen (NED), Koen Meuffels (NED) © Shot Up Productions


Fotos: Jarno van Osch/Shot Up Productions

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