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Red Bull Romaniacs: Leben eines Mechanikers

Die Red Bull Romaniacs sind die härteste Hard Enduro Rally der Welt. Mit einem Prolog durch die Stadt und vier unglaublich anstrengenden Tagen, sind die Romaniacs ein Enduro-Härtetest für Ausdauer und Durchhaltevermögen. Nicht nur für die Fahrer …

Was ist mit denen, die hinter den Kulissen arbeiten – Mechaniker und andere Teammitglieder, die eine entscheidende Rolle spielen, damit die Fahrer das Ziel erreichen? Um ein klareres Bild davon zu bekommen, was es heißt, Jonny Walker bei seinem diesjährigen Romaniacs-Sieg zu unterstützen, sprach der KTM BLOG mit Julian Stevens – in Rumänien Jonnys Mann mit den Schraubenschlüsseln – über einen typischen Tag bei den Romaniacs …


Jonny Walker KTM 300 EXC Red Bull Romaniacs 2015 © Red Bull Content Pool

Jonny Walker KTM 300 EXC Red Bull Romaniacs 2015 © Red Bull Content Pool


„Die Red Bull Romaniacs sind ein einzigartiges Rennen. Sie sind ganz anders als die anderen Extreme Enduros, bei denen wir starten. Ein Extreme Enduro über vier lange Renntage, die eher an eine Rally erinnern. Bei Rennen wie dem Erzbergrodeo sehen wir unsere Fahrer an verschiedenen Streckenabschnitten, bei den Red Bull Romaniacs sehen wir sie nur dreimal am Tag – beim Start, beim Servicepunkt etwa bei der Hälfte des Rennens und, wenn alles gut geht, im Ziel. Die Fahrer sind auf sich gestellt – es ist wirklich ein Kampf Mann und Maschine gegen die Natur.

Insgesamt sind die Red Bull Romaniacs ein Fünftagesevent. An Tag 1 steigt der berüchtigte Prolog durch die Stadt von Sibiu. Es ist wie ein EnduroCross-Rennen auf Steroiden; ein 20-minütiges Kopf-an-Kopf-Rennen, in dem die Startaufstellung für das viertägige Rennen ermittelt wird. An diesen vier Tagen wird das Rennen gewonnen oder verloren – der Prolog ist nur ein großartiges und unterhaltsames Spektakel für die Zuschauer. Draußen in den Karparten findet das wahre Endurorennen statt. Alle Terrains, die die Organisatoren zur Verfügung haben, warten darauf, die Fahrer zu testen.


Jonny Walker KTM 300 EXC Prolog Red Bull Romaniacs 2015 © Red Bull Content Pool

Jonny Walker KTM 300 EXC Prolog Red Bull Romaniacs 2015 © Red Bull Content Pool


Für die Mechaniker und anderen Teammitglieder beginnt der Tag früh – sehr früh. Mein Wecker klingelt noch vor dem Morgengrauen um 4 Uhr. Ja, 4 Uhr! Von da an ist es ein langer, arbeitsreicher Tag.

Sobald mein Wecker klingelt, bin ich wach und stehe auf. Nach einer Katzenwäsche, schnappe ich meine Tasche und gehe um 4:10 Uhr zum Frühstück. Ich habe etwa 20 Minuten, esse Müsli und Brot, bevor ich mich in die Schlange für die Navigationssysteme stelle. Die sind von entscheidender Bedeutung – sie sind im Grunde die Landkarte für die zu fahrende Strecke. Unsere Fahrer haben jeweils zwei – wir geben sie jeden Abend ab, damit sie für den folgenden Tag neu programmiert werden können, dann holen wir sie am nächsten Morgen wieder ab.

Bei so einem großen Starterfeld ist es wichtig, weit vorne in der Schlange zu stehen, denn Jonny ist normalerweise einer der ersten Fahrer auf der Strecke. Um 5 Uhr bekomme ich das GPS, hole den Team-Van und montiere das GPS am Bike; wenn Jonny so gegen 5:15 Uhr zu uns stößt, machen wir uns auf den Weg zum Start.

Normalerweise sind es etwa 45 Minuten zum jeweiligen Startpunkt – an manchen Tagen ist es eine Fahrt voller Rumgeplänkel und Gelächter und manchmal herrscht auch einfach nur Stille. Das hängt stark von der Laune und vom Müdigkeitslevel aller Beteiligten ab.


Start Tag 3 Red Bull Romancias 2015 © Future7Media

Start Tag 3 Red Bull Romaniacs 2015 © Future7Media


Wenn wir gegen 6 Uhr beim Start ankommen, laden wir die Motorräder aus und kontrollieren sie ein letztes Mal vor dem Start um 6:30 Uhr. Während dieser letzten Momente kümmern wir uns darum, dass es unseren Fahrern gut geht, sie alles haben, was sie brauchen und in guter Stimmung sind. Ein schneller Handschlag, ein nervöser Scherz und auf geht’s ins Rennen. Für die nächsten drei Stunden sind sie nun auf sich allein gestellt.

Wenn die Fahrer auf dem Weg sind, fahren wir mit dem Van zum Servicepunkt des Tages, bereiten uns vor und warten, dass unsere Fahrer zurückkommen. Das ist die einzige Zeit, in der wir uns ein bisschen ausruhen können. Na ja, so gut es eben geht. Eine Kleinigkeit essen, ein kurzes Nickerchen und regelmäßiges Checken des Live Timings vertreibt die Zeit. Ich hasse diesen Teil. Wenn die Fahrer früh dran sind, ist alles ok, aber wenn sie hinter der geplanten Ankunftszeit liegen – was normalerweise immer der Fall ist – dann schwirrt jeder nur vorstellbare Gedanke durch deinen Kopf. Sind sie ok? Ist was mit dem Bike? Wo sind sie?


Jonny Walker & Julian Stevens (left) Service Point Red Bull Romaniacs 2015 © Future7Media

Jonny Walker & Julian Stevens (links) Servicepunkt Red Bull Romaniacs 2015 © Future7Media


Sobald sie bei uns angekommen sind – normalerweise so gegen 11 Uhr – heißt das für alle im Team, 20 Minuten konzentriert arbeiten, um den Service über die Bühne zu bringen. Zuerst spreche ich mit Jonny. Er weiß am besten, was unbedingt erledigt werden muss. Dann betanke ich das Bike – das mache ich immer als erstes. Anschließend kontrolliere ich das Motorrad auf Schäden, Teile, die ersetzt werden müssen, und entferne Matsch oder andere Dinge vom Kühler. Und ehe wir uns versehen, hat Jonny seinen Helm aufgesetzt und macht sich wieder auf den Weg.

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Jonny Walker KTM 300 EXC Red Bull Romaniacs 2015 © Red Bull Content Pool

Wir beladen den Van und fahren zum Ziel, wo wir auf sie warten. Da wir das Live Timing verfolgen, wissen wir, wann sie den vorletzten Checkpoint passiert haben und sich der Ziellinie nähern. Bei ihrer Ankunft – so gegen 13:30 Uhr – ist es wichtig, ihnen die Sponsorkappen für die Interviews zu geben. Nach einer kurzen Besprechung des Tages, verladen wir die Motorräder wieder im Van und fahren gemeinsam zurück zum Paddock in Sibiu, um uns auf den nächsten Tag vorzubereiten.

Nachdem wir Jonny am Hotel abgesetzt haben, wo er nach einer Dusche ein paar Stunden schläft, waschen wir die Motorräder. Am Nachmittag beginnt dann die Arbeit der Mechaniker. Die Romaniacs sind ein Belastungstest, deshalb wird Jonnys KTM 300 EXC bis auf den Rahmen auseinandergebaut und alles auf Schäden kontrolliert. Reifen, Ketten, Bremsbeläge, Luftfilter und Getriebeöl werden gewechselt. Wenn der Auspuff beschädigt ist, wird auch der gewechselt, genauso wie der Kühler, wenn er bei einem Sturz in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wenn das erledigt ist, bereiten wir alles für den nächsten Tag vor und beladen den Van.


Jonny Walker KTM 300 EXC Red Bull Romaniacs © Future7Media

Jonny Walker KTM 300 EXC Red Bull Romaniacs © Future7Media


Normalerweise ist unsere Arbeit gegen 20:30 Uhr erledigt. Dann hat man noch genug Zeit, schnell im Hotel zu duschen, bevor um 21 Uhr das Briefing für die Fahrer beginnt. Dort erhalten wir alle Streckeninformationen und Infos zu den Servicepunkten für den nächsten Tag. Es ist wichtig dort hinzugehen, denn üblicherweise geben die Organisatoren detaillierte Infos zur Strecke und was die Fahrer erwarten können.

Gegen 21:45 Uhr ist dann endlich Zeit zum Abendessen und man hat ein paar Minuten, um seine Gedanken zu sammeln. Um halb elf gehe ich auf mein Zimmer, kontrolliere, ob meine Tasche für den nächsten Tag gepackt ist und stelle den Wecker auf 4 Uhr, denn am nächsten Morgen beginnt alles wieder von vorne!“


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