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Querverkehr

Spektakuläre Drifts, Staub, Show: Motorradmagazin-Racerin Yasmin Poppenreiter und ihre KTM 450 SX-F verteidigen am Dirt Track die Ehre der Zweiräder gegen Ex-Rallye-Weltmeister Andreas Aigner am Mazda MX-5 RF.

© www.kurtpinter.com


Dirt Track boomt, nicht nur in den USA, wo die spektakulären Querfahrten im Oval so populär sind wie ein saftiger Burger mit Zwiebelringen. Schön langsam spricht sich auch in der Alten Welt herum, wie spannend, actionreich und zuschauerfreundlich dieser Sport ist. Außerdem bringt jeder ein kostenloses Souvenir mit nach Hause: eine mehr oder minder stark ausgeprägte Staubschicht auf Klei­dung und Kappe, quasi den Ritter­schlag für hautnahes Dabeisein in der Welt des Motorsports.

Das österreichische Gesicht des Flat Track ist seit einigen Jahren ein mehr als hübsches: Yasmin Poppenreiter, 24, fährt nicht nur ihre fünfte Saison Flat Track, son­dern hat auch bereits etliche Erfolge vorzuweisen. So gewann sie im vergangenen Jahr den Pokal der AMF, also der heimi­schen Motorsportbehörde. In Ermangelung einer eigenen Staatsmeisterschaft kann man diesen Pokal als inoffiziellen Titel bezeichnen. Nur nebenbei erwähnt: Yasmin fährt kei­neswegs in einer Damenklasse, sondern gegen Männer, die in ihrer Staubfahne dann noch panierter sind als die Zuschauer.

Auch in der Weltmeisterschaft kann Yasmin, die seit heuer Teil des Motorradmagazin-Racing-Teams ist, schon Platzierun­gen in den Top Ten vorweisen. Da wird’s also Zeit für eine neue Herausforderung, um die sich das Motorradmagazin mit der Organisation dieses Vergleichs proaktiv gekümmert hat: „Wie wär’s mit einem Flat-Track-Wettkampf gegen ein Auto?“, haben wir sie gefragt. „Jederzeit“, meinte sie und die hellen Augen haben noch ein wenig angriffslustiger gefunkelt als beim Anvisieren des Kurvenscheitelpunkts.

Was wir ihr nicht gleich verraten haben, war der Name ihres Gegners: Andi Aigner, 33. Wenn einer weiß, wie man auf losem Untergrund ein Auto querstellt und dabei dennoch wenig Zeit verliert, dann er. Der Steirer war schließlich vor genau zehn Jahren Rallye-Weltmeister in der seriennahen Klasse, mit Laufsiegen in Argentinien, Griechenland und der Türkei. Alles keine wirklich staubfreien Länder.

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Als Untersatz fürs Querfahren haben wir Andi einen Mazda MX-5 RF zugedacht, aus meh­reren Gründen, vor allem aber aufgrund einer angemessenen Chancengleichheit. Heckantrieb muss sowieso sein, dazu ist der MX-5 auch in seiner stärksten Konfiguration mit 160 PS kein Leistungsmonster, sondern schnürt mit guter Balance, sportlicher Direktheit und vor allem dem niedrigen Gewicht von lediglich 1130 Kilo ein mehr als spannendes Paket. Einziges Zugeständnis: Auf Wunsch unseres Rallye-Champs ließen wir Winterräder für bessere Traktion am Schotter montieren.

Yasmins Wettbewerbsgerät ist ebenfalls nicht weit von der Serie entfernt. Basierend auf einer KTM 450 SX-F wurde das Fahrwerk eingekürzt und der Lenker erhöht. Dazu kommen 19-Zoll-Räder mit speziellen Dirt-Track-Rei­fen. Und, ach ja, die Vorderbremsen werden beim Dirt Track demontiert. Braucht keiner, wenn man auf einem zirka 68 PS starken, rund 100 Kilo leichten READY TO RACE-Renngerät mit bis zu 160 Stundenkilometern auf eine Kurve zudonnert. Nichts für schwache Nerven.

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Der Showdown naht. Wir befinden uns in der Speedway-Arena Eggendorf, die der ÖAMTC-Zweigverein Wiener Neustadt be­treut. Auf der rund 300 Meter langen Bahn werden Rennen und jeden Samstag Trainings­läufe abgehalten! Die Bedingungen sind perfekt, der Himmel blau, die Sonne brennt.

Ein gewisses Brennen sieht man auch in den Augen von Yasmin. Doch vorlegen darf Andi mit dem Mazda MX-5 RF. Wir starten abwechselnd, da die Kieselsteine von Yasmins Hinterrad den schönen Lack des Mazda perforieren würden. Drei Runden darf sich Andi einfahren, dann weitere drei (fliegende) Runden gegen die Stoppuhr.

Schon die ersten Kurven sind atemberau­bend – wie mit einem Architektenzirkel zieht Andi seine Bahn, lässt die Steine nach hin­ten und den Mazda MX-5 um die Bahn flie­gen. Yasmin schaut skeptisch. Dann steht die erste Zeit auf der Uhr: Die Runden trennen lediglich 40 Hunderstel, die Bestzeit beträgt 17,69 Sekunden.

Resümee des Ex-Weltmeisters: „Der Mazda hat mich sehr überrascht, es lief weit besser als erwartet, mit viel mehr Traktion. Das Driften passiert ohnehin sehr kontrolliert, da die Handlingeigenschaften beim MX-5 sehr gut getroffen wurden. Die präzise, direkte Len­kung hilft ebenfalls sehr. Und was die Leis­tung betrifft: Sie ist völlig ausreichend, mehr könnte man hier ohnehin nicht nutzen.“

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Nun ist Yasmin an der Reihe. Laut bellt der KTM-Single auf, dann wird das Oval atta­ckiert. Wer am Kurvenausgang zu nah an der Strecke steht, sollte ebenfalls einen Helm aufsetzen – so weit fliegen die Kiesel, wenn Yasmin am Gasgriff werkt. Allein das Zuse­hen macht sprachlos, wenn sie in die Kurven rutscht und beim Beschleunigen am schmalen Grat zwischen Vortrieb und Abflug balanciert.

Das U(h)rteil der Stoppuhr: Auch Yasmin drehte ziemlich konstante Zeiten, blieb mit ihrer besten Runde – 19,24 – aber deutlich hinter Andi im Mazda. „Der Kurs ist zu trocken“, meinte Yasmin ebenfalls trocken.

Zweiter Anlauf. Hanson Schruf eilt mit dem Sprühwagen herbei und bewässert den Kurs, der vorher tatsächlich an die Atacama-Wüste erinnert hat. Jetzt alles noch einmal.

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Wieder startet Andi zuerst. Seine Zeiten sind auf ähnlichem Niveau, verbessern kann er sich aber nicht mehr. Ganz anders Yasmin: Die griffigere Bahn kann sie ansatzlos in schnellere Zeiten ummünzen – und zum Schluss gelingt ihr noch eine fabelhafte Run­de in 17,92 Sekunden. Schlappe 23 Hunderts­tel haben ihr am Ende auf Andi Aigner im Mazda MX-5 gefehlt. Ein Augenzwinkern.

Mit Augenzwinkern freut sich auch Andi über seinen Sieg im ungewöhnlichen Shootout: „Ich bin schon für einige Vergleichstests zwischen Auto und Bike gefahren – das ist der erste, den ich mit vier Rädern gewonnen habe“, grinst der Eventmanager und freiberuf­liche ÖAMTC-Fahrtechnik-Instruktor.

„Knapp ist’s geworden“, lacht auch Yasmin. „Und für die echte Chancengleichheit bauen wir dem Mazda beim nächsten Mal die Vor­derbremsen aus. Dann schauen wir weiter!“


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