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Navigation bei der Rallye Dakar: Rally-Guru Stefan Huber über Tipps und Tricks

Für die Rallye Dakar, die anspruchsvollste Rallye im Kalender, braucht man ausgeprägte Kenntnisse in der Navigation. Schließlich müssen die Rennfahrer sich ihren Weg durch tausende Kilometer wildes Offroad-Terrain bahnen. Das Prinzip der Rally-Navigation ist einfach – der Kurs ist auf einer Rolle Papier namens Roadbook eingezeichnet. Darüber hinaus gibt es noch Kontrollstellen und unbemannte Wegpunkte, welche die Fahrer kreuzen müssen.

Wie aber finden die Fahrer die richtigen Wege und wie helfen ihnen all die Instrumente auf dem Navigationsturm dabei?

Die Rallye Dakar 2017 ist in vollem Gange und der Technical Manager des Red Bull KTM Rally Factory Racing Teams, Stefan Huber, erklärt uns die Grundlagen der Navigation, indem er uns die Funktionen der einzelnen Bildschirme, Boxen und Schalter auf der KTM 450 RALLY-Maschine näher bringt.

KTM 450 RALLY 2016

KTM 450 RALLY 2016


#1 – Roadbook „Das Roadbook ist ganz eindeutig der wichtigste Bestandteil der Navigation auf einem Rally-Bike”, erklärt Huber. „Es besteht aus einer langen Rolle Papier, die genaue Richtungsangaben bei definierten Entfernungen am Kurs bietet. Wir stecken sie in den Aluminium-Halter und ein winzig kleiner Elektromotor rollt das Papier je nach Bedarf vorwärts und rückwärts.“

Bei der Rallye Dakar dreht sich alles um diese Rolle Papier und ohne sie hat ein Fahrer praktisch keine Chance, die Sonderprüfung zu beenden. „Das Roadbook ist in seinem Behälter gut geschützt und es ist extrem wichtig, dass es frei abrollen kann, damit unser Fahrer es auch lesen kann”, fügt Huber hinzu.

„Im ungünstigsten Fall quittiert der elektrisch angetriebene Abrollmechanismus seinen Dienst. Dann kann der Fahrer mithilfe der Griffe auf der linken Seite das Roadbook auch manuell abrollen. Das bedeutet aber, dass er seine Hände vom Lenker nehmen muss, wodurch er wichtige Zeit verliert.“

Laia Sanz (ESP) & Jordi Viladoms (ESP) KTM 450 RALLY Dakar 2016

Laia Sanz (ESP) & Jordi Viladoms (ESP) KTM 450 RALLY Dakar 2016


#2 – Kilometerzähler & Kompasskurs „Rechts über dem Roadbook-Halter sitzen zwei kleinere Instrumente gleicher Größe und Form. Links befindet sich der Kilometerzähler und rechts der Kompasskurs,” so Stefan.

„Beide Instrumente sind direkt mit der von den Organisatoren zur Verfügung gestellten GPS-Ortung verbunden. Der Kilometerzähler links versorgt den Fahrer mit präzisen Informationen zur Distanz in Kilometern, während der Kompasskurs auf der rechten Seite die richtige Richtung in Grad beziffert.“

#3 – Reserve-Kilometerzähler „Direkt unter dem Roadbook-Halter haben wir einen dritten Trip-Master, der hauptsächlich als Reserve dient,” erklärt uns Stefan. „Der wichtigste Unterschied ist, dass dieser dritte Trip-Master mit dem Vorderrad statt dem Navigationssystem verbunden ist und die Entfernung so misst.“

„In der Vergangenheit haben die Organisatoren die Roadbooks anhand der Entfernungen erstellt, die über die mit dem Vorderrad verbundenen Kilometerzähler ermittelt wurden. Heute ist das nicht mehr so. Bei der Rallye Dakar ist der Kilometerzähler, der mit dem Navigationssystem verbunden ist, immer die beste Art, um Entfernungen zu bestimmen.“

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KTM 450 RALLY 2015


#4 – Navigationssystem „Das Navigationssystem, welches von den Organisatoren eingestellt wird, ist genau über der oberen Gabelbrücke und dem Lenker angebracht. Nachdem die Navigation hauptsächlich über das Roadbook erfolgt, dient das Navigationssystem dem Auffinden der Wegpunkte auf jeder Prüfung.“

„Wenn Fahrer sich einem Wegpunkt nähern, erscheint auf dem Navigationssystem ein Pfeil. Der Pfeil zeigt die richtige Richtung zum Wegpunkt an. Sobald der Fahrer den Wegpunkt passiert hat, verschwindet der Pfeil und das Navigationssystem zeigt wieder den Kompass an.“

„Bei einer Prüfung der Rallye Dakar gibt es verschiedene Arten von Wegpunkten. Bei einem Sicherheits-Wegpunkt erscheint der Pfeil etwa erst, wenn sich der Fahrer in einem Radius von 3 km um den Wegpunkt befindet. Um den Wegpunkt zu passieren, muss sich ihm der Fahrer auf mindestens 90 Meter nähern. Wegpunkte in tückischerem Gelände können einen größeren Radius von 200 Metern haben. Neben den Wegpunkten gibt es dann noch bemannte Kontrollpunkte, wo die Fahrer anhalten müssen, um sich einen Stempel auf der Zeitkarte zu holen.“

Toby Price (AUS) KTM 450 RALLY OiLibya Rally (MAR) 2016

Toby Price (AUS) KTM 450 RALLY OiLibya Rally (MAR) 2016


#5 – Schalter am Lenker „Der wichtigste Schalterblock für die Navigation sitzt auf der linken Seite des Lenkers. Beginnen wir mit dem Kippschalter ganz hinten. Dieser wird vom Fahrer mit dem linken Daumen bedient. Seine Aufgabe ist es, das Abrollen des Roadbooks im Halter zu kontrollieren und es entweder in Vorwärts- oder in Rückwärtsrichtung abzurollen.“

„Die beiden schwarzen Schalter vorne steuern den mit dem Navigationssystem verbundenen Kilometerzähler. Damit kann man die Zahlen erhöhen oder verringern, damit die zurückgelegte Strecke immer genau stimmt. Die anderen drei grünen Schalter bedienen den dritten Kilometerzähler, welcher mit dem Vorderrad verbunden ist.“

„Ein zusätzlicher schwarzer Schalter mit zwei Positionen kontrolliert, ob der Kraftstoff vom vorderen oder vom hinteren Tank kommt. Wir haben zwei getrennte Kraftstofftanks, zwischen denen die Fahrer umschalten können. Manchmal ziehen sie es vor, zuerst den hinteren Tank leerzufahren, um die Gewichtsverteilung zu optimieren.“

„Der Lichtschalter links stammt von der EXC-Reihe. Auf der rechten Seite des Lenkers finden wir einen Schalter für die Steuereinheit, mit dessen Hilfe die Fahrer aus zwei vorprogrammierten Mappings wählen kann, sowie den Startknopf.“

KTM 450 RALLY 2016

KTM 450 RALLY 2016


#6 – Sicherheitsausrüstung „Vorne links befindet sich unser Kohlefaser-Navigationsturm vom Typ Iritrack Safety Tracker, der die Echtzeit-Überwachung und -Verfolgung unserer Fahrer durch die Dakar-Organisatoren ermöglicht. Fahrer können die Rally-Organisatoren durch Drücken des roten Knopfes am Iritrack über einen Notfall in Kenntnis setzen.“

„Wenn ein Fahrer unerwartet anhält, können diese ihn kontaktieren, um ihn zu fragen, ober er in Ordnung ist. Sollte ein Fahrer binnen drei Minuten nicht antworten, können sie das Rettungsteam alarmieren.“

KTM 450 RALLY 2016

KTM 450 RALLY 2016


Fotos: KTM

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