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Ivan Cervantes: Verletzungen, Dakar-Debüt & Motivation für 2016

Die Leidenschaft zu siegen ist genauso wichtig wie die physische Fitness und das Talent fürs Offroad-Fahren. Red Bull KTM-Werksfahrer Ivan Cervantes zeigt nach wie vor große Leidenschaft für seinen Sport und einen starken Siegeswillen, obwohl der Spanier zu den älteren und erfahreneren Piloten in der Enduro-Weltmeisterschaft gehört.

Ivan Cervantes (ESP) 2016 © Red Bull Content Pool/Sebas Romero

Ivan Cervantes (ESP) 2016 © Red Bull Content Pool/Sebas Romero


Als vierfachem Enduro-Weltmeister ist Cervantes der Erfolg nicht fremd, aber Verletzungen haben ihn in den letzten Jahren immer wieder zurückgeworfen. In der Saison 2015 erlebte Cervantes eine frustrierende Zeit, bevor er die Chance nutzte und mit einem Start bei der Dakar einen langgehegten Traum wahr werden ließ. Nachdem er das berüchtigte Rennen im Januar erfolgreich beendet hatte und aktuell eine gute und verletzungsfreie Vorsaison auf dem neuen Red Bull KTM 250 EXC-F-Werksbike erlebt, zeigt sich Cervantes kurz vor dem Start in die diesjährige Enduro-Weltmeisterschaft motivierter als je zuvor.

„Mein Verletzungspech begann 2014 als ich die E3-Klasse anführte. Etwa in der Mitte der Saison brach ich mir einen Knochen im Fuß. Ich konsultierte meinen Arzt, der mir riet, mit dem Fahren aufzuhören. Ich führte die Meisterschaft mit mehr als 20 Punkten an, nicht mehr zu fahren, war also keine Option und wie einigten uns, dass ich versuchen sollte zu fahren, ich ließ mich operieren und setzte mich eine Woche später wieder aufs Motorrad. Beim nächsten GP in Finnland fuhr ich ein gutes Ergebnis ein, aber die Wunde entzündete sich kurz danach und meine Saison war vorbei. Als der Fuß wieder verheilt war, trainierte ich sehr viel mit der 2-Takt 300er, um für die Saison 2015 vorbereitet zu sein. Im Januar hatte ich dann einen kleinen Trainingssturz und brach mir die Schulter. Ich wusste, ich hatte ein bisschen Zeit, um mich vor dem Saisonbeginn zu erholen; ich arbeitete jeden Morgen, Nachmittag und Abend und dann zwei Wochen vor dem ersten Rennen der Weltmeisterschaft in Chile, zerrte ich mir die Bänder im Knie. Ich konnte es nicht glauben. Es war ein Albtraum“, erklärt Cervantes.

„Natürlich war das 2015 meine letzte Chance. Ich rief Fabio (Farioli, KTM Enduro Factory Team Manager) an und erklärte ihm die Situation. Ich sagte ihm, dass ich versuchen wollte, ohne die Operation zu fahren, im Fitnessstudio zu trainieren und die Stabilität im Knie zu verbessern. In jedem Fall war es aber unwahrscheinlich, dass ich die Weltmeisterschaft fahren könnte, trotzdem startete ich im ersten Rennen, aber ich hatte kein gutes Gefühl mit dem Motorrad, unter anderem weil ich nur wenig Vorbereitungszeit hatte und verdrehte mir erneut das Knie. In Spanien fuhr ich schlechte Ergebnisse ein und deshalb entschieden wir, dass wenn das Ergebnis in Portugal nicht gut wäre, ich nicht mehr fahren und mich auf die Genesung konzentrieren würde. Für mich war es physisch und mental besser aufzuhören und letztendlich auch für KTM, denn einen Fahrer zu haben, der schlechte Ergebnisse einfährt, ist nicht gut.“

Ivan Cervantes (ESP) KTM 300 EXC Jerez de la Frontera (ESP) 2015

Ivan Cervantes (ESP) KTM 300 EXC Jerez de la Frontera (ESP) 2015


Cervantes ließ sich am Knie operieren und konzentrierte sich auf ein starkes Comeback in der Enduro-Saison 2016. Aber im Juni letzten Jahres ergab sich die Möglichkeit, die Rallye Dakar in einem privaten, aber von KTM unterstützten Team zu fahren. Mit der Chance, dieses unglaubliche, zweiwöchige Rennen zu fahren, ging ein Traum in Erfüllung und er entschied, dass nach zwei desaströsen Jahren in der Enduro-WM, es eine gute Zeit wäre, sein Debüt bei der Dakar zu geben. Im September konnte Cervantes wieder fahren; er lernte schnell das Roadbook zu lesen, fuhr die Marokko-Rally und startete kurz darauf bei der Dakar – man könnte sagen, ein ziemlich schneller Einstieg in den Rally-Sport.

„Die Dakar war definitiv härter, als ich sie mir vorgestellt habe. Jeder kann dir sagen, was bei der Dakar passiert und vielleicht passiert dies oder das, aber du weißt es nicht wirklich, solange du nicht selber dort warst. Für mich war es eine wirklich gute Erfahrung, aber mental sehr anstrengend. Von drei Uhr morgens an fährst du mehr als 900km,das ist ziemlich hart. Manchmal ist es kalt, manchmal heiß, manchmal windig, und dieses Jahr kamen auch noch Probleme mit Unwettern dazu. Trotzdem war es eine großartige Erfahrung; ich habe die Dakar beendet (Platz 16) und das war mein Ziel, denn es ist der beste Weg Erfahrungen zu sammeln und zu wissen, was es für die nächste Dakar braucht.“

„Die Geschwindigkeit ist wirklich unglaublich. Besonders der Speed der Top 10. Wenn du auf der KTM 450 RALLY sitzt, hat man ein großartiges Bike, viel Leistung und man denkt, warum nicht am Gas drehen. Immer ein bisschen mehr und auf einmal hast du ein Problem, wenn du realisierst, dass du etwas im Roadbook übersehen oder einen Fehler gemacht hast oder wegen einer Gefahr anhalten musst. Erst dann realisierst du die hohe Geschwindigkeit und es ist sehr schwierig anzuhalten. Die Konzentration bei so hohen Geschwindigkeiten über einen so langen Zeitraum aufrechtzuhalten, ist nicht einfach.“

Ivan Cervantes (ESP) KTM 450 RALLY Dakar 2016 © Red Bull Content Pool/Flavien Duhamel

Ivan Cervantes (ESP) KTM 450 RALLY Dakar 2016 © Red Bull Content Pool/Flavien Duhamel


Cervantes erklärt, dass der größte Unterschied zwischen der Dakar und dem Enduro-Sport ist, dass man sich bei Enduro-Rennen im Grunde nur auf das Fahren und auf die Absperrungen konzentrieren muss. Hingegen müssen die Fahrer bei der Dakar fahren, das Roadbook lesen, nach Gefahren Ausschau halten, über große Distanzen schnell sein und ein Auge auf die anderen Fahrer haben müssen, während sie mit Ermüdung, der Höhe und den extremen Wetterbedingungen zu kämpfen haben. Der Spanier erzählt, dass es ein Schock gewesen sei, dass Toby Price an einem Tag 10 Minuten schneller sein konnte, dass die Zeiten an der Spitze über so lange Distanzen aber trotzdem sehr nah beieinander lägen. Gefragt, ob er es noch einmal probieren würde, grinst Cervantes; er hat ganz klar seine eigenen Ziele für die Rallye Dakar.

„Natürlich möchte ich es nochmal probieren und ich möchte besser abschneiden als dieses Jahr; ich weiß, ich habe dieses Jahr einige große Fehler gemacht und es gibt kleine Dinge, die ich besser vorbereiten kann. Nach der Weltmeisterschaft habe ich ein paar Monate, um mich auf die Dakar vorzubereiten und jetzt weiß ich, was mich erwartet. Ich möchte mein Bestes geben, vielleicht ist es meine Zukunft, vielleicht nicht, aber auf jeden Fall möchte ich noch einmal die Dakar fahren. Marc Coma sagte mir, dass es sich nach der Dakar komisch anfühlen würde, wieder mit einem kleineren Bike zu fahren. Natürlich habe ich ihm nicht geglaubt; ich dachte, wie schwierig kann es schon sein von einem großem Rally-Motorrad auf ein kleines Enduro-Bike zu wechseln, aber er hatte Recht, es fühlte sich wirklich komisch an, wieder auf diesem kleinen und wendigen Motorrad zu sitzen. Es hat ein bisschen Zeit gebraucht, um sich wieder daran zu gewöhnen und die richtige Geschwindigkeit zu finden.“

Ivan Cervantes (ESP) KTM 450 RALLY Dakar 2016 © Red Bull Content Pool/Marcelo Maragni

Ivan Cervantes (ESP) KTM 450 RALLY Dakar 2016 © Red Bull Content Pool/Marcelo Maragni


Nach einer starken Vorsaison ist Cervantes fit und gesund und obwohl manche ihn abgeschrieben haben, wechselte er in die kleinere Klasse und wirkt unglaublich fokussiert als wir diese Woche beim Test des Teams in Italien mit ihm sprechen. Er hat sowohl die KTM 250 EXC-F als auch die KTM 350 EXC-F vor dem Start in die Saison 2016 getestet und entschied sich für das kleinere Bike. Der Red Bull KTM-Fahrer hat in Vorbereitung auf die Saison und das kleinere Motorrad Gewicht verloren und freut sich auf die von Grund auf neudesignte KTM 250 ECX-F, die er in der Saison einsetzen wird.

„Das neue Motorrad ist großartig. Es ist sehr klein; das neue Chassis ist sehr gut in schnellen und langsamen Kurven, fühlt sich gut an in schwierigen und technischen Passsagen. Die Kraft des Motors ist super; ich erinnere mich, als ich 2006 die 4-Takt 250er gefahren bin und meinen zweiten Titel gewonnen habe – vor 10 Jahren – seitdem hat sich sehr viel weiterentwickelt. Das Design, die Ergonomie, das Bike ist aggressiver und einfach nur großartig. Ich freue mich darauf, wieder mit dem kleinen Bike zu fahren. Ich bin jetzt 33 Jahre alt, also ein bisschen älter, aber ich habe Gewicht verloren um mich auf das Motorrad einzustellen und bisher läuft die Saisonvorbereitung wirklich gut. Ich bin vielleicht 33, aber ich bin jung (lacht). Ich werde mich Schritt für Schritt auf die acht GP-Rennen vorbereiten, um meinen Traum von einer weiteren Weltmeisterschaft Realität werden zu lassen.“

Die Enduro-Weltmeisterschaft startet am 9. April in Agadir, Marokko.

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