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#inthisyear1978: Gennady Moiseev wird zum dritten Mal Weltmeister auf KTM

Auch nach dem 14. WM-Lauf im tschechischen Loket dominiert KTM weiterhin die kleinere MX2-Klasse auf beeindruckende Weise. Auf ihren KTM 250 SX-F führen der Spanier Jorge Prado und Titelverteidiger Pauls Jonass aus Lettland die Tabelle mit deutlichem Vorsprung vor dem Drittplatzierten an. Schon vor über vier Jahrzehnten waren es die Viertelliter-KTM-Werksmaschinen, die es zu schlagen galt, wenn man sich die Krone in der damaligen 250ccm-Weltmeisterschaft aufsetzen wollte.

Beim Saisonauftakt 1978 im spanischen Sabadell sah es für KTM allerdings nicht gut aus. Der Belgier Harry Everts hatte den amtierenden 250er Weltmeister Gennady Moiseev, der sich wenige Wochen zuvor beim Training den Unterarm gebrochen hatte, mit seiner spanischen Bultaco auf Rang 8 verwiesen. Dabei waren die KTM ein Jahr zuvor in der Viertelliterklasse unschlagbar gewesen – WM-Titel für Moiseev, Vize-Weltmeister wurde Vladimir Kavinov vor dem Belgier André Malherbe auf Platz 3.

Gennady Moiseev 1977/78 © KTM


Im Laufe der Saison kam der Leningrader Sportlehrer aber immer besser in Fahrt und konnte auf seiner nur 97 Kilogramm leichten 250ccm 2-Takt-KTM die Tabellenspitze übernehmen, die er bis zum Endlauf nicht mehr abgab. Auf Rang 4 landete Kavinov, auch jederzeit für einen Laufsieg gut. Beim MX of Nations, das 1978 im deutschen Gaildorf stattfand, glänzten die sowjetischen KTM-Werksfahrer erneut – Gennady Moiseev, Vladimir Kavinov und Valeri Korneev gewannen zusammen mit Juri Khudyakov die Nationentrophäe vor Deutschland und Belgien.

Rückblick: Die Welt befand sich in den frühen 1970er Jahren mitten im „Kalten Krieg“ und auch der Motorradsport war geteilt in Ost und West. Besonders für die Länder des damaligen Ostblocks waren internationale Erfolge gegen die westlichen Hersteller äußerst prestigeträchtig. Waren es im Endurosport überwiegend die Fahrer aus der Tschechoslowakei und der DDR, die auf ihren Jawa und MZ-Motorrädern bei der Europameisterschaft und den Six Days erfolgreich waren, so setzte man im Motocross auf CZ aus der CSSR, wo der Sowjetrusse Victor Arbekov oder Paul Friedrichs aus der DDR zu WM-Ehren kamen. Dass dann 1974 ausgerechnet ein Fahrer aus der früheren UdSSR auf einem westlichen Fabrikat wieder eine 250ccm-WM gewinnen konnte, gehört zu den vielen Geschichten aus dem Offroad-Sport, die nicht in Vergessenheit geraten sollten.

Schon 1972 war den KTM-Sportbetreuern aufgefallen, dass es im sowjetischen 250er Team einige talentierte Fahrer gab, die aber nicht über konkurrenzfähiges Material verfügten. Als bei einem Rennen über Nacht die Motorräder des sowjetischen Teams aus dem Fahrerlager gestohlen wurden, bot KTM dem Mannschaftsleiter, dessen Fahrer plötzlich ohne Motorräder dastanden, KTM-Maschinen an. Dafür soll der Mannschaftsleiter dem Vernehmen nach aus der Kommunistischen Partei der Sowjetunion ausgeschlossen worden sein, aber nachdem sich die ersten Erfolge einstellten, arrangierten sich die Sowjets mit der Situation und als Gennady Moiseev zwei Jahre später Weltmeister wurde, beförderte man ihn sogar zum Major der Sowjetarmee.

Gennady Moiseev ist mit drei Weltmeistertiteln der erfolgreichste Motorradsportler der früheren Sowjetunion. 1967 startete er zum ersten Mal auf einer tschechischen CZ bei einem Motocross-Rennen. In den nächsten Jahren ließ er zwar immer wieder sein Talent aufblitzen, die Erfolge stellten sich aber erst ein, als er 1972 auf KTM umstieg und 1974 den ersten Weltmeistertitel für das Mattighofener Unternehmen gewann. Nach einer verletzungsbedingt schwachen Saison hatte er 1976 wieder zur alten Stärke zurückgefunden und am Ende unterlag er gegen den Finnen Heikki Mikkola mit dem denkbar knappen Rückstand von nur einem einzigen WM-Zähler. 1977 musste er nur die Konkurrenz aus dem eigenen Hause fürchten. Für seine zweite Weltmeisterschaft schenkte ihm KTM-Chef Erich Trunkenpolz einen Mercedes.

Gennady Moiseev, Erika & Erich Trunkenpolz 1977/78 © KTM


Seinen dritten Titel gewann er dann vor genau 40 Jahren. Den letzten großen Erfolg für KTM holte er 1979, als er Vierter in der WM wurde und zum letzten Mal einen WM-Lauf gewann. Als die sowjetische Föderation entschied, dass ihre Fahrer ab 1980 wieder auf CZ starten würden, blieb Moiseev zwar noch einige Jahre aktiv, allerdings ohne nennenswerte Erfolge. Nach Beendigung seiner aktiven Karriere arbeitete er als Motocross-Trainer und Sportlehrer, 2000 wurde er zum Präsidenten des Russischen Motorsport-Verbandes gewählt.

Am 24. Juli 2017 verstarb Gennady Moiseev im Alter von nur 69 Jahren in seiner Heimatstadt St. Petersburg.

Gennady Moiseev 1978 © KTM


Fotos: KTM 

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