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#inthisyear1957: Mopedroller Mecky und Lechner-Erfolge

Als es Anfang April im argentinischen Termas de Río Hondo die ersten WM-Zähler für das junge KTM-MotoGP-Team gab, hatte der Straßenrennsport bei KTM bereits eine jahrzehntelange Tradition. Vor 60 Jahren ging der Stern des jungen Erwin Lechner auf, der auf der Straße und im Gelände von Erfolg zu Erfolg fuhr. Und KTM-Konstrukteur Ludwig Apfelbeck entwarf neben dem 4-Ventil-Rennmotor auch einen kleinen 2-Takter für den Mopedroller „Mecky“

KTM Mecky


Anfangs hatte sich KTM ausschließlich im Geländesport, dem heutigen Endurosport, engagiert, wo die robusten 125er und 175er Tourist-Serienmaschinen mit Erfolg eingesetzt wurden. Damals reichten noch grobstollige Reifen und ein breiter Geländelenker,  um vorne mit dabei zu sein. Aber schon bald fand Firmenchef Hans Trunkenpolz Gefallen am wesentlich publikumsträchtigeren  Straßenrennsport. Dass es im Salzburger Raum zahlreiche regionale Rennen gab, bei denen auch separate Klassen für Tourenmaschinen ausgeschrieben waren, passte ganz gut ins Konzept. Mit den ersten Erfolgen, errungen auch durch den Juniorchef Erich Trunkenpolz, wurde neben den Tourenmaschinen auch ein Einsatz in der Klasse für Rennmaschinen ins Auge gefasst. Im Frühjahr 1955 gelang es KTM-Miteigner Ernst Kronreif, den 21-jährigen talentierten Erwin Lechner von Puch abzuwerben und als KTM-Werksfahrer zu verpflichten, der sich für das Vertrauen mit Goldmedaillen und einigen Klassensiegen revanchierte. Was heute undenkbar ist, war damals im Motorsport durchaus üblich – die Fahrer starteten sowohl beim Motocross als auch im Enduro- und Straßenrennsport und waren in allen Disziplinen erfolgreich.

Mit großer Spannung war der Auftakt zur Saison 1957 beim Eisrennen in Zell am See erwartet worden. Während Paul Schwarz und Franz Albert schon die neue Apfelbeck-KTM-Rennmaschine mit Doppelnockenwellen-Motor  fuhren, setzte Erwin Lechner auf eine seriennahe 175ccm-2-Takt-Maschine, mit der er in der 350ccm-Klasse einen hervorragenden zweiten Platz erringen konnte. Auch bei den Straßenrennen musste er anfangs der Saison noch auf einem 2-Takter antreten, weil sein Apfelbeck-Renner noch nicht fertig war. Dafür blitzte sein Können beim Internationalen Salzburger Autobahnrennen auf, wo er mit der noch unverkleideten Apfelbeck-KTM hinter dem Doppelweltmeister Carlo Ubbiali und drei weiteren Weltklassefahrern auf dem fünften Platz ins Ziel kam. Bei der Internationalen Alpenfahrt in Kärnten, einer sehr anspruchsvollen Mehrtages-Geländefahrt,  gewann Lechner eine Goldmedaille.

Erwin Lechner (AUT) 1957


Am Ende der Saison 1957 war Erwin Lechner Doppel-Staatsmeister auf KTM. Er gewann sowohl die Meisterschaft  im Straßen- und Bergrennsport als auch im Wertungsprüfungssport, dazu gab es noch zahlreiche Erfolge beim immer populärer werdenden Motocross. 1958 wiederholte er seinen Erfolg. Bei der 33. Internationalen Sechstagefahrt in Garmisch-Partenkirchen (GER) wurde er für die österreichische Silbervasenmannschaft (die heutige Junior Trophy) nominiert und brachte eine Silbermedaille mit heim nach Mattighofen. In den Folgejahren gewann Lechner fünf weitere Staatsmeisterschaften, teilweise auf privat eingesetzten KTMs, nachdem das Werk wegen der europaweiten Krise auf dem Motorradmarkt sein Rennsportengagement eingestellt hatte.

Basis vieler Lechner-Erfolge bei den Straßenrennen war der von Ludwig Apfelbeck konstruierte 125er Rennmotor, aber natürlich arbeitete der Konstrukteur nicht nur für die Rennabteilung, sondern war auch für die Serienprodukte von KTM verantwortlich.

Erwin Lechner (AUT) International Six Days Enduro 1958


Mitte der 1950er Jahre wurde das Stadtbild mehr und mehr von Motorrollern geprägt. Mit Beginn des Wirtschaftswunders konnten viele sich einen motorisierten Untersatz leisten. Die Roller boten für den täglichen Weg zur Arbeit einen bedeutend besseren Wetterschutz als die unverkleideten Motorräder, so dass praktisch jeder Motorradhersteller einen Motorroller im Programm hatte. Auch KTM bot seit 1955 den Mirabell-Roller mit anfangs 125ccm und später 150ccm an. Um auch diejenigen, die mangels Führerschein nach wie vor aufs Moped angewiesen waren, als Kunden zu gewinnen, erfand Firmenchef Hans Trunkenpolz den Mopedroller – einen einsitzigen kleinen Motorroller, angetrieben von einem 50ccm-Motor mit Tretkurbeln, der nach  „Mecky“, einer damals populären Comic-Figur, benannt war.  Das Mecky-Triebwerk entstand  von der Apfelbeck’schen Konstruktionszeichnung bis zur Fertigung komplett in Mattighofen – der erste eigene KTM-Motor in der langen Firmengeschichte. Auch das Fahrgestell war für damalige Verhältnisse recht modern – die Federung erfolgte über Gummi-Torsionselemente und die formschönen Räder waren sogar aus Aluguss gefertigt. Ein Jahr später gab es den Mecky sogar als leistungsstärkere zweisitzige Variante mit dem populären gebläsegekühlten Sachs-Motor.

Bis 1988 bot KTM noch 50ccm-Motorroller als zuverlässige Alltagsfahrzeuge an, zuletzt als Ponny II. Mit viel Glück kann man bei Oldtimertreffen auch heute noch gelegentlich einen der pastellfarben lackierten Meckys bewundern, die wie aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen.

KTM Mecky


Fotos: KTM

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