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Interview des Monats: KTMs Moto3-Star Miguel Oliveira

Von fast 200 km/h zur Zahnmedizin: Miguel Oliveira lebt derzeit mit einer für einen Motorradrennfahrer eher ungewöhnlichen Doppelbelastung, trotzdem hat das Red Bull KTM Team rund um Aki Ajo mit ihm möglicherweise einen weiteren Titelanwärter verpflichtet.


Sandro Cortese, Luis Salom und Jack Miller haben im Red Bull KTM Ajo Moto3-Team große Fußstapfen hinterlassen. 2015 wird der 20-jährige Miguel Oliveira versuchen, an die Erfolge seiner Vorgänger anzuschließen. In den letzten vier Jahren stand der Portugiese für zwei verschiedene Hersteller auf dem Podium. Für die Saison 2015 konnte Aki Ajo den Portugiesen endlich verpflichten, um MotoGP-Fahrer Jack Miller zu ersetzen. Wenn Rossi den Spitznamen „The Doctor“ trägt, dann könnte Oliveira in Zukunft zu „The Dentist“ werden. Der vielbeschäftigte Oliveira studiert Zahnmedizin und verbringt die meiste seiner begrenzten Zeit abseits der Rennstrecke in der Uni.

Diejenigen, die die Entwicklung der Nummer 44 verfolgt haben – der einzige Portugiese, der in der MotoGP um Punkte kämpft –, wissen, dass Oliveira ein heißer Kandidat für die diesjährige Moto3-Weltmeisterschaft ist. Nach dem letzten Moto3-Test in Jerez sprachen wir mit Miguel, um ein bisschen mehr über seine orange Anfangszeit zu erfahren.

Wieviel Zeit hast du bisher auf deinem neuen Arbeitsgerät verbracht und wie war die erste Fahrt? „Das ist jetzt der achte Tag auf dem Motorrad, morgen der Neunte. Wir fahren nicht den ganzen Tag, aber diese Tests waren die einzige Möglichkeit, das Motorrad in der Vorsaison zu testen. Für mich ist es ein komplett neues Motorrad und mit dem Gitterrohrrahmen zu fahren, fühlt sich definitiv anders an! Das Handling ist großartig, man kann spät bremsen und es richtig gut in die Kurve legen. Es ist leicht zu fahren, was über eine lange Renndistanz wichtig ist, denn man muss sich wohlfühlen, leicht schalten können und sich keine Sorgen machen müssen, dass etwas kaputt gehen könnte. Dieses Motorrad gibt mir diese Sicherheit. Die 500 Umdrehungen weniger scheinen den Motor nicht beeinflusst zu haben. Ich bin mit der Situation zufrieden.“

Bei Mahindra warst du in den letzten beiden Jahren nicht nur Renn-, sondern auch Entwicklungsfahrer. Macht es für dich einen Unterschied, dass du jetzt auf eine Maschine steigst, die in der Moto3 von Anfang an um den Titel gekämpft hat? „Wenn du an der Entwicklung eines Motorrads beteiligt bist und vorne mitfährst, dann ist das in gewisser Weise auch dein Verdienst, aber wenn du auf ein Motorrad steigst, das bereits so viel gewonnen hat, darunter dreimal in Folge den Konstrukteurstitel, dann ist das ein wichtiger Schritt. Ich fühle keinen Druck und ich bin zuversichtlich, denn ich habe ein Siegmotorrad. Jetzt geht es darum, die richtigen Schritte zu unternehmen und den Job gut zu erledigen.“


Wie lange hat es gedauert, bis du die KTM als „dein“ Motorrad betrachtet hast? Was war für dich die größte Umstellung? „Eigentlich war es ziemlich einfach. Ich dachte, ich würde mehr Probleme haben, um mich an die KTM zu gewöhnen, aber am Ende ging es sehr schnell. Wie gesagt, das Bike fährt sich einfach und es war leicht sich darauf einzustellen. Am meisten musste ich mich beim Bremspunkt umstellen. Die Art wie ich bremse, ist immer noch nicht perfekt für dieses Bike. Es braucht viel Gewicht an der Front und man muss viel mit der Bremse spielen. Ich war daran gewöhnt mit Vorder- und Hinterradbremse zu fahren, in einigen Kurven muss ich mich jetzt umstellen. Es ist keine große Sache, aber wenn du auf diesem Level fährst, zählt jedes Detail und man muss in jeder Hinsicht perfekt sein.“

Es scheint, dass Honda 2014 einen Schritt nach vorne gemacht hat. Gibt es 2015 Updates für die KTM, von denen du weißt? „Ja das Motorrad ist anders und wurde im Vergleich zum Vorjahr in eine andere Richtung entwickelt. Wegen des neuen Drehzahllimits ist natürlich der Motor neu. Beim Rahmen wurde etwas an der Geometrie geändert. Alles, was ich über Honda und die anderen Hersteller weiß, ist, dass wir sie dieses Jahr schlagen müssen! Wir müssen alles tun, um wieder an der Spitze zu sein!“


Wie ist es, Teil des KTM Teams zu sein? Ein Werkseinsatz mit einer direkten und engen Verbindung nach Mattighofen und den vielen Erfolgen, die KTM im Motorcross, bei Rallyes  und im Supercross feiert? „Das ist großartig. Allein in der Box zu sein und mitzuerleben, wie viele Informationen sie sammeln und wie viel man lernen kann. KTM hat im Motorradsport viel Erfahrung und ich denke, ich kann in Zukunft davon profitieren, von diesen Leuten umgeben zu sein und von ihnen lernen zu können. Wenn ich in Zukunft mal Probleme haben sollte, kann ich auf ihr Wissen und ihre Unterstützung zählen. Ich bin in einem guten Team!“

Ist der Zeitpunkt des Wechsels gut für dich? Du fährst seit einigen Jahren in der Moto3 und hast vier Podestplätze eingefahren? „Der Zeitpunkt ist gut; ich bin noch jung und kein Veteran, trotzdem habe ich schon vier oder fünf Jahre Erfahrung in der Moto3 und jetzt will ich unbedingt gewinnen. Ich mache jetzt ein paar Dinge anders, bin reifer geworden und habe aus meinen Fehlern in der Vergangenheit gelernt; das ist hilfreich, wenn man die Weltmeisterschaft gewinnen will. Das bedeutet nicht, dass man sich auf der Strecke Fehler leisten kann, aber ich denke, dass ich genug Erfahrung habe, um das große Ganze zu sehen. Es geht darum, bei jedem Rennen konzentriert zu sein, eine gute Moral zu beweisen und das ganze Jahr konstant zu sein.“

Du stehst aus zwei Gründen im Mittelpunkt. Wegen deiner Nationalität und weil du in die Fußstapfen von Fahrern wie Cortese und Miller trittst. Du sagtest, dass du deswegen keinen zusätzlichen Druck spürst, trotzdem ist es für dich eine neue Situation? „Mit der Situation, der einzige Portugiese in der MotoGP zu sein, lebe ich schon lange, aber klar steht man in einem neuen Team immer etwas unter Druck. Bis jetzt bin ich mit KTM noch kein Rennen gefahren, aber ich spüre, dass die Leute sehr hohe Erwartungen an mich haben, weshalb ich noch härter arbeite, um niemanden zu enttäuschen. Ich denke, der Druck wird noch ein bisschen größer werden, wenn ich – hoffentlich – um die Weltmeisterschaft kämpfe. Zu Beginn der Saison darf ich darüber nicht zu viel nachdenken und muss die Chance nutzen, dass ich jetzt in einem Topteam fahre. Solche Situationen muss man nutzen, wenn man einer der besten Fahrer werden will! Sich im neuen Team zurecht zu finden, war kein Problem; auch letztes Jahr bin ich in einem Werksteam gefahren und habe mit vielen guten Leuten zusammengearbeitet. Die Beziehung im Team kann von jetzt an im Laufe der Saison nur besser werden.“


Einige schnelle Fragen. Lieblingsstrecke? „Oh, darauf habe ich keine schnelle Antwort! Ich mag alle Strecken. Es ist schwierig einen Favoriten auszuwählen, aber man erinnert sich immer an die, auf denen man gute Ergebnisse eingefahren hat, also sage ich Assen.”

Lieblingssport, abgesehen vom Rennsport? „Fußball.“

Benfica oder Porto? „Benfica! Ich komme aus Lissabon, daher bin ich Benfica-Fan.“

Was machst du, wenn du gerade keine Rennen fährst? „Leider ist meine Freizeit wegen dem Studium sehr begrenzt. Ich verbringe viel Zeit an der Uni und manchmal ist es eine Herausforderung Studium und Rennsport unter einen Hut zu bekommen. Ich versuche möglichst viel Spaß am Training zu haben und ab und zu Motocross oder Supermoto zu fahren. Zwischendurch Laufen, Rennradfahren oder mit Freunden ins Kino gehen.“

Dir stehen also noch ein paar schöne Jahre an der Uni bevor? „Ich studiere Medizin und spezialisiere mich auf Zahnmedizin. Das Studium dauert fünf Jahre! Ich beende jetzt gerade das Erste. Es ist definitiv etwas, das ich durchziehen möchte, aber ich komme nur langsam voran, da ich viel Zeit an den Rennstrecken verbringe.“

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