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Durchhalten!

 »Haltet durch, bald wird es wieder warm«, mailte die Tage ein Freund, der genauso unentspannt ist wie wir. Wegen brutalstmöglichem Dynamik- und Schräglagen-Entzug. Voll auf Motorrad-Turkey. Das ist die Höchststrafe. Immer noch. Immer wieder. Jeden verdammten Winter.

Wie also kriegen wir die Zeit rum, bis es wieder los geht? Klar könnte man der Poesie huldigen, zur Harfe greifen, im Kravattenalbum blättern oder Kochexperimente starten und zum Beispiel Kürbis-Rezepte ausprobieren. Wir empfehlen schlicht und einfach Sport. Entweder aktiv (egal was), was immer gut kommt. Oder in der Retrospektive. Für letzteres haben wir ein paar Bilder aus der Durchhalter/Langstrecken-Szene ausgegraben, plus ein Video.




Hauptdarsteller ist eine RC8, die beim letzten 8-Stunden-WM-Rennen in Oschersleben als einziger Twin an den Start geschoben wurde, brav über die Distanz donnerte und am Ende in der Open-Klasse auf Platz 2 landete. Das wurde medial hier und da gewürdigt, aber nirgends an die ganz große Glocke gehängt, weil der Endurance-Sport nun einmal nicht in aller Munde ist.

Ein Grund mehr für den KTM-Blog, sich hier damit zu beschäftigen, wir wollen uns ja die Zeit vertreiben. Das Tolle an dem Einsatz war, dass Konrad Schittko, KTM Händler aus Unna, diesen zusammen mit der Battle-Crew durchzog. Das heisst, dass praktisch alle Aktiven des Superduke Battle-Markencups, der ja auch von Schittko und ein paar Leuten organisiert wird und zufällig am gleichen Wochenende stattfand, als orange komplett verstrahlte Seelen hilfsbereit die Box verstopften. Das Ganze unter dem Label »KTM Endurance Battle Crew 53«

Endurance ist Teamsport erster Klasse. Picken wir stellvertretend einige aus der Crew heraus: Als »Supertanker« etwa agierte Huby, der irgendwas mit Schornsteinfegern zu tun hat und allein von der Statur durch jede Wand durchgeht; jedenfalls schwenkt er auch die volle Tankkanne wie ein Schnapsglas durch die Luft. Zeitnehmer an der Boxenmauer war Olli, der mit seiner Super Duke einmal einen mächtigen Sturzkrater im Kiesbett der 180 km/h schnellen Triple-Links schlug, die deshalb heute inoffiziell „Ollis Ocean“ heisst.

Um das Aufheizen der Reifen kümmerte sich Bundy, ein langer Lulatsch, der es als Battle-Hofpoet und mit Schmetterlings-Lyrik bei Facebook irgendwie bis zum Buchautor gebracht hat und immer noch wie verrückt am Superduke-Kabel zieht, obwohl er nach einem Sturzmalheur seine eher kraftlose rechte Hand im Handschuh mit Klettband am Lenker zusätzlich fixieren muss und mit links per Daumenbremse bremst. Dazu gab es Danger-Dave, der am Fahrwerk rumdrehte; die Brüder Klitschko (oder so ähnlich) die ständig den Bursig-Montageständer hin und her schoben und jede Menge brillante Mechaniker, Orga-Helfer und gute Seelen, ohne die jedes gute Team einfach aufgeschmissen wäre.

Technikus Konrad Schittko hatte die RC8 R Endurance-tauglich vorbereitet: Großer 21-Liter-Tank plus Schnelltankanlage, Öhlins-Gabel und Brembo-Kneifer mit Schnellwechsel-Vorrichtung, spezielle Hinterradschwinge sowie Doppelscheinwerfer. Der Motor wurde mit Stocksport-Tuning-Teilen aus dem KTM Powerparts-Programm aufgepumpt.

Das Fahrertrio setzte sich zusammen aus a) Thomas Helldobler alias TEAD (TErrible And Dangerous), langhaariger Student mit IDM-Erfahrung, b) Oliver »Rakete« Schmidt, zweifacher Papa, der unschuldig dreinschaut wie ein Messdiener nach dem Vater Unser, aber angast wie ein Terrorist und c) Luca Mahias, ein ziemlich furchtloser Franzose mit pinkfarbenem Leder, der nach jedem Stint einen Teller Nudeln reinzog (natürlich nicht à la Bolognese, sondern auf die gallische Tour, nur mit ein bißchen Butter), sich meist aber still hinhockte und steinharte Musik über Ohrknöpfe reinzog.

Gestartet wurde von Startplatz 25 am Nachmittag, gefahren wurde bis in die Dunkelheit hinein. Die Zielflagge fiel um 22.00 Uhr. Im Training galt es etwas Trouble auszusortieren, sonst wär´s ja langweilig;  im Rennen trübten nur Kleinigkeiten die Fahrt. In der ersten Stunde muckte die  Vorderradbremse, bei Rennhälfte musste der Aufpufftopf ersetzt werden. Und nach einer Pace-Car Phase bereitete eine überhitzte Kupplung Kummer; erholte sich jedoch rasch wieder.

Die Fahrer glänzten sturzfrei mit schnellen Rundenzeiten, auch die Boxenmannschaft zauberte bei jedem Stopp: Volltanken, Räderwechsel und große Inspektion waren im Schnitt unter 30 Sekunden erledigt. Davon sollten Sie beim nächsten Werkstattbesuch ruhig Ihrem Händler erzählen. Am Ende brummte die RC8 R auf Gesamtrang 18. ins Ziel und das Fahrertrio wurde aufs Siegerpodest gebeten, um die Pokale für den zweiten Platz in der Open-Klasse abzuholen.

Langstrecken-Rennen sind mit der beste Sport der Welt. Das kann man behaupten, ohne rot zu werden. Weil nicht nur einer gewinnt, sondern immer das Team. Und weil es keine Verlierer gibt. Ankommen zählt. Wenn die Zielflagge erreicht wird, strahlen alle, die dazu beigetragen haben, wie Xenon-Scheinwerfer.

Das Allerbeste aber ist die elektrisierende Endurance-Atmosphäre. Der unglaubliche Geräuschteppich, das Spiel mit verwischten Konturen und rasenden Lichterketten. Die irre Anstrengung der Fahrer, die jeder ungefähr nachvollziehen kann, der jemals länger als eine Tankfüllung im Motorradsattel gesessen ist. Die Gänsehaut beim Zuschauen draußen an der Strecke, wenn sich alle hemmungslos durch die Nacht beamen und dabei Bremspunkte und Überholmanöver in dichten Pulks setzen, die oft genug eigentlich nicht gut gehen können und wundersamerweise doch immer wieder klappen.

Konrad Schittko wird 2013 in der deutschen Langstrecken-Szene auf KTM RC8 R erneut angreifen, mit den Helldobler-Brüdern (Thomas/TEAD und Battle-Sieger Stefan) als Fahrern. Das sollte man sich, falls irgend möglich, nicht entgehen lassen. Schon weil die Vorfreude dazu beitragen kann, die Winterwartezeit besser zu überstehen.

Fotos: Buenos Dias & highside PR-Toni Börner

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