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Die harten MotoGP-Fans aus Hartberg

Sie haben diesen Österreich-Grand Prix, ihr Heimrennen, so sehr herbeigesehnt. Fritz Dorn und seine 130 Mann starke Truppe sind MotoGP-Fans der besonderen Sorte. Trinkfest, klaro. Aber auch kreativ. Ein Besuch auf dem Campingplatz des Red Bull Rings.

Red Bull Ring Spielberg (AUT) 2016

Red Bull Ring Spielberg (AUT) 2016 © Marco Campelli


Ihr Territorium für diese vier Tage haben sie abgesperrt, mit orangenen KTM-Bändern. 30 mal 60 Meter. Mitten drin der Kühlanhänger, gesichert per Zahlenschloss. Nicht jeder kennt den Code, der Dorn Fritz aber schon. Er öffnet die Klappe, man erkennt: Bier. Viel Bier. Puntigamer und Gösser in Stapeln. Fritz greift zu seinem Smartphone, rechnet: 2500 Liter, 130 Mann, macht knapp 20 Liter für jeden. „Des reicht´ scho“, sagt er.

Vier Tage MotoGP am Red Bull Ring, vier Tage auf die sie lange warten mussten. Vor 19 Jahren hatte Österreich seinen letzten Motorrad-Grand Prix. Jetzt ist es wieder soweit und Fritz und seine Kumpels aus Hartberg wissen, wem sie dieses Rennen zu verdanken haben. „Danke Didi“, steht auf ihren Shirts, Verzeihung: „Leiberln“. Das Dankeschön gilt Dietrich Mateschitz, der die MotoGP hier nach Spielberg, auf seinen Red Bull Ring geholt hat.

Red Bull Ring Spielberg (AUT) 2016

Red Bull Ring Spielberg (AUT) 2016 © Marco Campelli


Der Fritz setzt sich auf eine Bierbank und erzählt, wer alles mitgekommen ist aus Hartberg, seiner Heimatgemeinde mit 6500 Einwohner in der Oststeiermark. Vom Enkel bis zum Opa, ein generationenübergreifender MotoGP-Ausflug. Zuvorderst die Jungs vom Motorradclub Silver Bull Riders. Und der Grabner Friedrich, vor über 30 Jahren österreichischer Motocross-Staatsmeister, ist selbstverständlich auch dabei. Dann zeigt Fritz hinüber zu sechs trompetenförmigen Metallröhren, akkurat nebeneinander auf einem Holzgeländer montiert. Daran schließen sie allabendlich ihre Motorsägen an: rustikale Teile, Baujahr 1950 und geben Vollgas. „132,8 Dezibel“, sagt Fritz. Er strahlt. Das Motorsägen-Spektakel gehört auf den MotoGP-Campingplätzen dieser Welt zum festen Repertoire, doch kaum jemand zelebriert es mit einer solchen Hingabe wie die Hartberger. Sechs Mann in Reihe, alle in langen, grauen Gendarmerie-Regenmänteln, die Fritz extra gekauft hat. Dann zünden sie noch ein Bengalo, das hüllt das lärmende Spektakel in gelben Rauch. Rossi-gelb. „Orangene Bengalos haben wir keine gekriegt“, entschuldigt sich Fritz, denn er weiß, dass dieser Artikel im KTM BLOG erscheinen wird. Und natürlich sind er und seine Hartberger, ganz die Patrioten, auch glühende KTM-Verehrer.

Ihre Zuneigung zum heimischen Motorradhersteller manifestiert sich in den zehn KTM-Helmen, welche sie gebastelt haben. Wahre Kunstwerke. Der Helmaufsatz besteht aus der Frontverkleidung eines Pocket Bikes, im schwarz-matten Design des KTM-MotoGP-Testbikes gehalten. Jeder Helm beinhaltet einen Lautsprecher, über den man per Bluetooth vom Handy den Original-Sound einer RC8 einspielen kann. Darüber hinaus haben sie 21 weitere Helme gebastelt. Einen Helm für jeden der aktuellen MotoGP-Piloten. Wieder mit der Pocket Bike-Verkleidung obendrauf, aber in der Lackierung des jeweiligen Piloten. Sogar inklusive der Original-Sponsorenaufkleber, wofür die Hartberger eine Werbeagentur eingespannt haben. Mit ihrer Motorsägen-Show und den kunstvollen Helmen sind die Hartberger die Kreativabteilung auf den Campingplätzen rund um den Red Bull Ring.

KTM RC16 Red Bull Ring Spielberg (AUT) 2016

KTM RC16 Red Bull Ring Spielberg (AUT) 2016 © Sebas Romero


Mittlerweile hat sich der Maierhofer Michael mit auf die Bierbank gesetzt. Er krempelt die Ärmel hoch und zeigt das Bodypainting auf seinem Oberarm: die Zahl 58, dazu das Kürzel „SIC“, in Gedenken an den 2011 tödlich verunglückten Marco Simoncelli. Natürlich hat auch Maierhofer den passenden Helm parat. Nicht nur mit Simoncellis Originalverkleidung, sondern zusätzlich mit eingearbeitetem Haarschwuschel. Die wilde Haarpracht war einst Simoncellis Markenzeichen. Simoncelli sei ein klasse Typ gewesen, schwärmt Maierhofer, und hält stolz den Helm empor.

Keine Frage: Wenn jemand MotoGP-verrückt ist, dann diese Hartberger. Im Vorfeld des Red Bull Ring-Grand Prix schickten sie KTM-Boss Stefan Pierer eine Email mit Bildern ihrer Helme. Pierer war beeindruckt und zusammen mit den Streckenbetreibern von Projekt Spielberg sowie Red Bull sorgte KTM für diverse Medienkontakte. ServusTV rückte an, es gab Fototermine hier, Fototermine da. Unter anderem durften Fritz und Kollegen nach dem MotoGP-Qualifying mit ihren 21 Helmen die Startaufstellung fürs Rennen am Sonntag nachstellen. Dazu noch eine zweite, spekulative Startaufstellung, jene für den Grand Prix 2017. Da haben sie dann – ganz optimistisch – zwei KTM-Helme in der ersten Startreihe platziert.

Aber ernsthaft, Fritz: Deine Prognose für KTMs Premierenrennen im November beim Saisonfinale in Valencia? Er überlegt kurz, dann antwortet er: „4. Startreihe.“ Und 2017, wenn KTM seine erste komplette Saison fährt? „3. Startreihe, gegen Saisonende 2. Startreihe.“ KTM habe tolle Techniker, weiß Fritz und sowieso gelte: Wenn KTM etwas mache, dann richtig. Hat er keine Bedenken wegen des einzigartigen Stahlrohr-Konzepts, das sonst kein Hersteller verfolgt? „Geh´ bitte!“

Stefan Pierer Red Bull Ring Spielberg (AUT) 2016

Stefan Pierer Red Bull Ring Spielberg (AUT) 2016 © Sebas Romero


Gerne würde er Stefan Pierer einen ihrer selbstgemachten KTM-Helme schenken. Auch wenn Dutzende Stunden Arbeit drinstecken. Einzige Gegenleistung: Pierer müsse bitte einen nicht zu kleinen Schein in die Spendenbox von „Wings for Life“ stecken, der Red Bull-Stiftung für Rückenmarksforschung. Zwei solcher Spendenboxen haben die Hartberger immer dabei, oben auf den Tribünen und wenn sie rund um die Strecke unterwegs sind. 2000 Euro, schätzt Fritz, dürften da an diesem Wochenende zusammen kommen.

Sie sind einzigartig, diese harten Fans aus Hartberg. Mit ihren Helmen, ihrer Motorsägen-Show, ihrer Hingabe für den Rennsport. Fritz lehnt sich zurück, öffnet seine Gösser-Dose, es zischt und während er einen tiefen Schluck nimmt, fallen uns am Anhänger hinter ihm drei Fahnen ins Auge: die steirische, die österreichische und eine 46er-Rossi-Fahne. „Aber“, sagt Fritz, „in zwei oder drei Jahren werden hier am Red Bull Ring nur noch KTM-Fahnen wehen.“

Fotos: Marco Campelli | Sebas Romero

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