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Die Dakar als Privatfahrer: Simon und Llewelyn Pavey

Wie der Vater, so der Sohn – Simon und Llewelyn Pavey starten als SP FiFTYONE Racing Team bei der Dakar 2015.

Die Rally Dakar ist eines der bekanntesten Rennen weltweit und sorgt immer wieder für interessante Geschichten. Bereits zum zehnten Mal startet Simon Pavey als Privatfahrer bei der Dakar. In diesem Jahr zum ersten Mal zusammen mit seinem 23-jährigen Sohn Llewelyn Pavey, der sein Debüt bei dem 9295 km langen Rennen gibt, im SP FiFTYONE Racing Team. Der KTM BLOG sprach mit Llewelyn kurz vor dem Start des Rennens in Buenos Aires.

Für Llewelyn, Journalist und daher von Beruf Medienprofi, ist die Dakar kein Neuland. Sein Vater Simon, gebürtiger Australier, der mittlerweile mit seiner Familie in Wales lebt, hat bereits zahlreiche Dakar-Rennen bestritten. Bei sieben seiner insgesamt neun Starts erreichte er das Ziel. Eine beeindruckende Zahl und Llel startet mit dem Ziel, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.

„1998 war ich zum ersten Mal dabei, als mein Vater bei der Dakar startete. Das war eine ziemlich große Sache in unserer Familie, denn die Vorbereitung zog sich über mehrere Monate hin. Ich bin damals, da war ich ungefähr sechs, mit ihm zum Start gegangen; die ganze Familie ist nach Frankreich gefahren. Wir hätten nie gedacht, dass in Paris so viel los sein würde. Mein Vater hat damals fast den Start verpasst, weil er große Schwierigkeiten hatte das Motorrad rechtzeitig ins Parc Fermé zu bringen“, erzählt Llewelyn.

„Alle paar Jahre startete er bei der Dakar und als ich älter wurde, begann ich ihm bei der Vorbereitung des Motorrads zu helfen, in der Werkstatt rumzuhängen und lernte das ganze Drumherum kennen. Mit 13 bin ich dann zum ersten Mal mit einem seiner Motorräder gefahren, aber um ehrlich zu sein habe ich nie daran gedacht, selbst einmal bei der Dakar zu starten. 2011 hat sich meine Meinung dann geändert. Ich war gerade mit dem College fertig und habe meinen Vater bei der Pressearbeit und der Vorbereitung des Motorrads unterstützt. Das hat letztendlich mein Interesse geweckt und die Vorstellung selber zu fahren, war ziemlich aufregend.“

Simon, Llels Vater, fuhr als Teenager Motocross, bevor er sich mit Anfang 20 stärker auf den Endurosport konzentrierte. Um seinem Traum ein Stück näher zu kommen, entschied sich Simon für einen Umzug von Australien nach Großbritannien. Er hatte viel über Rallys gelesen und hatte bereits in Australien zahlreiche Rallys bestritten; also wagte er den Schritt nach Europa, um noch mehr Erfahrung zu sammeln. Kaum verwunderlich, dass auch bei Llewelyn bereits in jungen Jahren das Interesse für Motorräder geweckt war. Obwohl er in seiner Karriere erst zwei Rallys bestritten hat, ist der Start bei der Dakar also nur eine logische Entwicklung.

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„2011 hatte ich mich dann endgültig dafür entschieden, einen Start bei der Dakar zu wagen. Irgendwie wollte ich es probieren, nachdem ich für meinen Vater bereits so viel in das Rennen investiert hatte. Vier Jahre lang fuhr ich Endurorennen auf britischem Meisterschaftsniveau, bis ich mir die Starts nicht mehr leisten konnte. Außerdem fuhr ich Club-Rennen, Hare and Hounds usw. Ich habe in der Vergangenheit schon ein paar Mal versucht, bei der Dakar zu starten, aber bis zu diesem Jahr lehnte die ASO meine Einschreibung immer ab.“

Auf die Frage, wer der Schnellere der beiden ist, gibt Llel eine klar Antwort: „Ich, ohne arrogant klingen zu wollen. Ich wäre sauer, wenn mein Vater schneller wäre als ich … immerhin ist er 47! Wenn er schneller wäre, würde ich definitiv etwas falsch machen!“

Die Dakar ist anders, das einzige Rennen über eine so lange Distanz und viele Möglichkeiten Fehler zu machen. Für die Fahrer gibt es viele Dinge zu bedenken, wie z.B. die Navigation, und natürlich können immer wieder technische Probleme auftreten. Llel erzählt, dass er bei kleineren Rallys, bei denen die Risiken deutlich geringer sind, immer versucht, möglichst schnell zu sein, aber bei der Dakar geht es darum, bedacht zu fahren, nur kalkulierbare Risiken einzugehen und jeden Tag die Etappe zu beenden.

Bevor Llel und Simon über die Rennstrategie nachdenken können, mussten die beiden zunächst die finanziellen Herausforderung der Dakar meistern. Eine große Herausforderung, die die Zeit für Training und Vorbereitung nicht beeinflussen darf. Privatfahrer müssen alles selbst organisieren: Sponsoren, Finanzierung, Logistik, die Vorbereitung des Motorrads und die Kommunikation der Ergebnisse – eine große Anstrengung, für die Werksteams viele Mitarbeiter beschäftigen, die sich um diese Details kümmern.

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„Die Kosten sind eine große Hürde für alle Privatteams, besonders in Großbritannien, denn außerhalb der Motorsportkreise weiß keiner so genau, was die Dakar ist. Überhaupt wird nicht viel in diesen Sport investiert. Die Gelder zu bekommen, ist schwierig und jedes Jahr scheint es schwieriger zu werden. Wir haben viele gute Sponsoren – Castrol, Michelin, Acerbis, Adventure Racing, Craghoppers und Cotswold – die meinen Vater bereits seit vier oder fünf Jahren unterstützen. Auch dieses Jahr haben sie uns wieder geholfen, auch die Firma meines Vaters hat uns finanziell unterstützt, genauso wie rentamotorcycle.co.uk. Es ist relativ einfach Unterstützung bei Teilen zu bekommen, aber die finanzielle Hilfe ist eher gering und es braucht eine Menge Geld, denn Startgelder, Transport usw. … das alles ist teuer. Wir haben eine Kickstarter-Kampagne mit Indiegogo begonnen und dabei 10000 Pfund rausgeholt.“

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die physische Vorbereitung. Das Training müssen Llel und sein Vater, neben der Arbeit, in ihren Arbeitsalltag integrieren. „Das bisschen Training, das wir absolviert haben, hat uns erst gezeigt, wie lange es dauert so fit zu werden wie Coma und die anderen Topfahrer. Auch wenn man jeden Tag nur ein bisschen trainiert, ist es doch ein erheblicher Zeitaufwand. Es macht Spaß und es ist viel besser, als im Büro zu sitzen, aber wir müssen nunmal arbeiten gehen.”

Als Journalist hatte Llewelyn letztes Jahr die Chance Marc Comas Werksmotorrad, die KTM 450 RALLY, zu testen. „Das Werksmotorrad ist da Beste vom Besten. Jedes Detail ist dazu da, die Leistung auf 110% zu optimieren. Unsere Motorräder wurden bereits bei der Dakar gefahren und als wir sie bekamen, war ich positiv überrascht. Sie sind ein bisschen breiter und nicht auf dem allerneuesten Stand, aber insgesamt fährt es sich großartig. Die Topfahrer schaffen es, das Beste aus dem Werksmotorrad herauszuholen. Im Vergleich fährt sich unser Motorrad etwas einfacher, was für uns von Vorteil ist, denn ich bin weder fit genug noch als Fahrer gut genug. An unseren Motorräder ist fast alles Standard, aber wir sind zufrieden und bewegen ein ziemlich gutes Motorrad.“ Auch sonst ist die Ausstattung ziemlich einfach: ein Sprinter, ein Zelt mit Campingbetten und Moskitonetzen und zwei Mechaniker.

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„Danken möchte ich auch Shaun Sisterson von KTM UK, der uns dieses Jahr großartig unterstützt hat. Einer der Vorteile, wenn man für KTM fährt, ist, dass man sich vor der Dakar für den KTM Race Service anmelden kann. Dieser Service kostet um die 2000 Euro, aber dafür bekommt man ein komplettes Service-Paket und der Service-Truck führt alles mit, was man eventuell brauchen könnte. Zwar muss man die Teile kaufen, aber die Mechaniker helfen einem, wenn es Probleme gibt und man muss die Teile nicht selber mitführen. Es ist eine enorme Hilfe, diese Unterstützung von KTM zu bekommen.“

Nach 5 von 13 Etappen liegen Llel und Simon (Startnummern 75 und 76) in der Gesamtwertung auf den Plätzen 69 und 71. Die Dakar endet am 17. Januar in Buenos Aires, nach mehr als 9000 km durch Argentinien, Bolivien und Chile.

Fotos: SP FiFTYONE Racing Team

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