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Der ultimative Test: Die KTM 790 ADVENTURE R beim ULTIMATE RACE

Jordan Huibregtse, der es beim ULTIMATE RACE bis aufs Podium geschafft hat, über die KTM 790 ADVENTURE R, mit der er dieses Jahr in der Wüste Marokkos antrat.

KTM ULTIMATE RACE 2019, #412 Jordan Huibregtse © Marcin Kin/KTM


Als erfahrener Adventure-Motorradfahrer hat Jordan Huibregtse mit seiner eigenen 2005er KTM 950 ADVENTURE tausende Kilometer auf den Schotterstraßen des Mittelwestens der Vereinigten Staaten zurückgelegt. Bei der Qualifikation zum ULTIMATE RACE im Rahmen der US ADVENTURE RALLY 2018 in Park City, Utah, sicherte sich Jordan einen Startplatz für diese unvergessliche Erfahrung in Marokko.

„Mit der Entscheidung, 12 unbekannten Fahrern brandneue KTM 790 ADVENTURE Rs zu geben, um damit bei einer wichtigen Rally anzutreten, bewies KTM Mut“, so Jordan. „Außerdem spricht sie Bände über das Vertrauen, dass diesem Bike entgegengebracht wird, und über KTMs Entschlossenheit, es von anderen am Markt erhältlichen Motorrädern abzuheben. Anders als vielerorts berichtet, waren die Bikes, die wir beim ULTIMATE RACE einsetzten, größtenteils im Serienzustand. Die Federung war serienmäßig, genauso wie der Motor, die Kennlinien, der Lufteinlass und beinahe alles andere, zu dem mir Fragen gestellt wurden.“

Nach einem kurzen Prolog mussten die Teilnehmer des KTM ULTIMATE RACE 2019 in Marokko fünf Sonderprüfungen mit mehr als 1000 Rennkilometern zurücklegen. Dazu gehörte auch die Marathon-Etappe Nummer 3 mit einer Übernachtung in einem Biwak ohne Mechaniker-Unterstützung. Beinahe 1100 Kilometer harte Offroad-Strecke und hohe Navigationsanforderungen brachten die 12 auserwählten Fahrer an ihre körperlichen und mentalen Grenzen.

KTM 790 ADVENTURE R © Marcin Kin/KTM


Kurz nach seiner Rückkehr aus Afrika stellte Jordan einen ausführlichen Fahrbericht seiner KTM 790 ADVENTURE R ins ADVRider.com-Forum. Mit seiner Zustimmung haben wir sieben Highlights an diesem Bike ausgewählt, die Jordan seiner Aussage nach zu einem beeindruckenden dritten Gesamtrang beim ersten KTM ULTIMATE RACE verhalfen.

Modifikationen „Die Modifikationen am Bike waren auf das beschränkt, was für das Rennen unbedingt notwendig war. Mousse-Reifen vom Typ Michelin Desert Race wurden auf schmälere Räder aus den KTM PowerParts aufgezogen und es wurde eine höhere KTM PowerParts-Sitzbank installiert. Außerdem waren alle Bikes mit dem Zubehör-Endschalldämpfer von Akrapovič bestückt. Die Serien-Griffe wurden gegen Rally-Griffe aus Schaumstoff getauscht und der serienmäßige Lenkungsdämpfer wurde auf Verlangen der Veranstalter durch einen Zubehör-Dämpfer ersetzt. Zudem wurden die längeren KTM-Rally-Fußrasten installiert und natürlich wurden die Bikes auch mit einem am Lenker montierten Roadbook-Halter und einem über dem Serien-Display angebrachten Rally-Computer ausgerüstet. Der Seitenständer-Schalter, das ABS und die Traktionskontrolle wurden für das Rennen deaktiviert, wir hatten aber die Möglichkeit, die Assistenzsysteme vor dem Start zu testen. Der springende Punkt ist, dass die Motorräder nicht einfach Rennbikes waren, die aus Marketinggründen optisch auf KTM 790 ADVENTURE R getrimmt wurden. Tatsächlich waren sie großteils serienmäßig.“

Motor „Der neue 2-Zylinder hat mich wirklich beeindruckt. Verglichen mit dem Motor meiner KTM 950 ADVENTURE ist jener der KTM 790 ADVENTURE R viel leiser und dreht im oberen Drehzahlbereich viel befreiter hoch. Der 790er-Motor fühlt sich wie ein Rally-Motor an – er hat eine geringe Massenträgheit und verlangt nach etwas höheren Drehzahlen. Er liebt es, hart gefahren zu werden, und dreht mühelos und kraftvoll bis in den Begrenzer hoch. Seine Leistungsabgabe ähnelt einem Elektromotor – ein Gefühl, das von der beinahe geräuschlosen Auspuffanlage noch verstärkt wird. Bei geringen Drehzahlen fühlt sich die elektronische Kraftstoffeinspritzung ‚giftig‘ an und läuft etwas mager. Wie bei vielen neuen Bikes ist auch dieses mit Ride-by-Wire ausgestattet. Wenn du vom Rally-Modus in den Street-Modus umschaltest, fühlt sich das etwas natürlicher an. Bei höheren Drehzahlen und wenn du mehr Power einsetzt, fühlt sich der Motor fantastisch an.“

KTM ULTIMATE RACE 2019, #412 Jordan Huibregtse © Marcin Kin/KTM


Gewicht „Auf einer billigen Badezimmerwaage brachte das Bike vorne 101 kg und hinten 107 kg auf die Waage – mit vollgefülltem Kraftstofftank. Im Vergleich dazu meine 950er, die ziemlich stark abgespeckt wurde: 109 kg vorne und 112 kg hinten mit etwas Kraftstoff. Außerdem befindet sich der Schwerpunkt der 790 viel weiter unten als bei der 950. Zudem hat sie nicht dieses kopflastige Gefühl. Anfangs irritiert das fast ein bisschen, da sich das Bike leicht und niedrig anfühlt, aber immer noch die Massenträgheit besitzt, die so ein Gewicht mit sich bringt. Wie fast alle Motorräder fühlt es sich umso leichter an, je schneller du fährst. Du spürst das Gewicht erst bei harten Schlägen oder Traktionsverlust.“

Getriebe & Kupplung „Das Getriebe scheint etwas enger abgestuft zu sein als bei den LC8-Modellen. Das war aber kein Problem, da die KTM 790 ADVENTURE R auf der Straße mit hohen Drehzahlen sowieso besser zu fahren ist. Die Abstufung zwischen den Gängen haben sie großartig hinbekommen. Keine Spur von einem unsinnig kurzen Sprung vom 5. zum 6. Gang wie bei manchen Mitbewerbern. Wie erwartet lässt sich das Getriebe leicht und exakt schalten. Gleich zu Beginn habe ich mich ein oder zweimal verschaltet. Das lag aber nur daran, dass ich MX-Stiefel trug und nicht an das Bike gewöhnt war. Die Kupplung steckte alles locker weg. Sie benötigt keine großen Handkräfte und reagiert berechenbar. Der Bereich, in dem sie greift, ist aber schmal. Ich persönlich würde einen längeren Kupplungs-Zugarm verbauen. Dadurch würden der Druckbereich länger und die Handkräfte weiter reduziert. Momentan sehe ich keinen Bedarf für eine Hydraulikkupplung. Während andere Leute ihre Kupplung größeren Beanspruchungen aussetzten, hatte ich im Sand von Merzouga keine Probleme mit meiner. Sie biss hart und konstant und verstellte sich nie.“

KTM ULTIMATE RACE 2019, #412 Jordan Huibregtse © Marcin Kin/KTM


Fahrmodi „Mittlerweile erwarten wir von KTM Fahrmodi. Ich habe den Rain-Modus probiert und er hat gut funktioniert. Die Gasannahme ist breiig und das ABS und die Traktionskontrolle greifen aggressiv ein. Im Rally-Modus ist auch die mehrstufige Traktionskontrolle aktiv. Ich ließ sie die meiste Zeit auf Stufe 1. So machte sie sich nur dann bemerkbar, wenn ich im Sand meinen Schwung verlor und hohe Dünen erklimmen wollte. In den höchsten Stufen der Traktionskontrolle greift sie sehr stark ein und nimmt Leistung weg, was nicht so gut ist, wenn man den Charakter des Bikes einstellen möchte. Der Rally-Modus verwendet auch die aggressivste Kennlinie, was offroad fantastisch ist. Auf der Straße war er mir zu aggressiv, wenn ich nur herumcruisen und gleichmäßig fahren wollte … was wahrscheinlich der Grund dafür ist, dass es einen Street-Modus gibt. Die meiste Zeit war ich im Rally-Modus unterwegs und wenn ich eine KTM 790 ADVENTURE R hätte, würde ich diesen Modus verwenden.“

Fahrwerk „Die KTM 790 ADVENTURE R hat einen Stahlrahmen, der den Motor trägt, während dieser auch als tragendes Teil verwendet wird. Der Gitterrohr-Heckrahmen ist auch aus Stahl, was die Probleme, die viele Leute mit der Gepäckverladung hatten, ausmerzen sollte. Er sieht solide aus und besitzt integrierte Aufnahmen zur Montage von Gepäckträgern. Außerdem besitzt das Bike einen kleinen Hilfsrahmen, der den vorderen Teil des Motorschutzes trägt, während der untere Teil an der Ölwanne und ein paar kleinen Stahlbügeln angebracht ist. Insgesamt schlug sich der Motorschutz gut für ein Serienteil. Wer allerdings vorhat, über Baumstämme und durch Steingärten zu fahren, sollte sich nach einer Zubehör-Lösung umsehen.”

Kraftstofftank „Beim Kraftstofftank unterscheidet sich dieses Bike am stärksten von anderen Adventure-Motorrädern. Man gewöhnt sich daran und er schützt die Füße und Beine ganz gut vor dem Unterholz, vor Wind und Regen. Mein Bike fiel ein paar Mal um und ich hatte viele Ausrutscher im Sand und auf dem kompakteren Terrain der Wüste zu verzeichnen, mal mehr und mal weniger schlimm. Der Kraftstofftank zeigte sich davon unbeeindruckt und wurde – abgesehen von ein paar Kratzern – nicht beschädigt. Ich denke, dass die austauschbaren Kunststoff-Abdeckungen der Kraftstoffhähne den Kraftstofftank bei schwereren Unfällen auf der Straße gut schützen werden.“


Alle Informationen zu den KTM ADVENTURE RALLIES und dem KTM ULTIMATE RACE gibt es hier: www.ktm-adventure-rally.com

Fotos: Marcin Kin/KTM

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