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Das doppelte MotoGP-Comeback

Der Red Bull Ring wurde am vergangenen Wochenende zum Schauplatz gleich zweier Comebacks. Österreich ist zurück im MotoGP-Kalender. Und KTM präsentierte sein MotoGP-Projekt für 2017. Für beides war der Red Bull Ring, der einstige Österreichring, die perfekte Bühne.

Red Bull Ring (AUT) © Samo Vidic

Red Bull Ring Spielberg (AUT) © Samo Vidic


Auf diesen Tag mussten die österreichischen Fans lange warten. 19 Jahre, um genau zu sein. 1997 war es, als die besten Motorradpiloten der Welt letztmals in der Alpenrepublik gastierten. Danach verkam Österreich zu einem weißen Fleck auf der MotoGP-Landkarte. Nun aber ist die MotoGP zurück. Und wie! 215.000 Fans pilgerten zum Red Bull Ring, es war ein Motorsport-Volksfest, wie es Österreich schon lange nicht mehr erlebt hat.

Als dann am Sonntagnachmittag, vor dem Start des MotoGP-Rennens, KTM seine Testfahrer Mika Kallio und Alex Hofmann für zwei Demo-Runden mit der brandneuen KTM RC16 auf die Strecke schickte und so offiziell seine Rückkehr in die Königsklasse des Motorradrennsports einleitete – da dürfte so manchem Fan ein Schauer über den Rücken gelaufen sein. Österreich ist wieder eine fixe Größe in der MotoGP. Mit einem eigenen Grand Prix und mit KTM, die Marke, die 2017 Honda, Yamaha, Ducati, Suzuki und Aprilia herausfordert.

Mika Kallio (FIN, #36) & Alex Hofmann (GER, #66) KTM RC16 Spielberg 2016

Mika Kallio (FIN, #36) & Alex Hofmann (GER, #66) KTM RC16 Spielberg (AUT) 2016 © KTM


Red Bull Ring 2016 – diese drei Motorsport-Feiertage in den Hügeln der Obersteiermark wird Piloten, Teams und Fans noch lange in Erinnerung bleiben. Einige der 215.000 Fans wähnten sich zurück in den 70er, 80er und frühen 90er Jahren. Damals war es der Salzburgring, auf dem die Motorrad-WM-Piloten alljährlich Station machten. Der ultraschnelle Kurs, eingezwängt in die enge Talrinne von Plainfeld-Koppl vor den Toren der Festspielstadt, war Schauplatz unvergesslicher Windschattenschlachten. Dort, am Salzburgring, steht die Wiege des österreichischen Motorrad-Grand Prix. Doch das hat eine Vorgeschichte.

Ende der 60er Jahre. Österreich hat mit dem aufstrebenden Jochen Rindt einen Formel 1-Hero. Was fehlt, ist ein Grand Prix. Und die dafür nötige Rennstrecke. Wenig rühmlich war der bis dahin einzige österreichische Formel 1-Lauf vonstatten gegangen. 1964 auf dem Zeltweger Militärflughafen: Die filigranen Boliden zerbröselten reihenweise auf den Bodenwellen der holprigen Landebahn. Die Formel 1-Teams und -Fahrer verspürten fortan wenig Lust, nach Österreich zurückzukehren. Nun aber, mit dem Volkshelden Rindt, musste etwas geschehen. Das Land, in dem sich der Motorsport ausschließlich auf Flugplatzkursen und Bergrennstrecken abspielte, wollte endlich eine permanente Rennstrecke. Und damit einen Formel 1-Grand Prix.

Es wurde ein erbittertes Duell zwischen Zeltweg und Salzburg. Zwischen Dr. Gustav Tiroch, dem Präsidenten des STMSC Knittelfeld, der einen Kurs bei Zeltweg anstrebte, und Willy Löwinger, Präsident des ÖASC, der Österreichs erste permanente Rennstrecke in Salzburg bauen wollte. Es begann ein unrühmliches Gezerre um Fördergelder und Austragungsrechte. Am Ende hieß es: Vorteil Zeltweg. Die dortige Anlage, benannt „Österreichring“, wurde am 27. Juli 1969 eröffnet, der Salzburgring war acht Wochen später fertig. Erst hatte Österreich keine Rennstrecke, jetzt zwei.

Weil sich der Österreichring die Formel 1-Austragungsrechte gesichert hatte, blieb für die Salzburgring-Macher nur eine Option: Man holte die Motorrad-WM. So war der Status für Jahrzehnte zementiert. Der Österreichring hatte die Formel 1, der Salzburgring die Motorrad-WM. Das ging so lange gut, bis den Schwantz, Doohans und Cadaloras die Sache am Salzburgring zu gefährlich wurde. Die knapp bemessenen Sturzräume waren für Motorräder nicht mehr zeitgemäß. Also verabschiedete sich die Motorrad-WM 1994 nach fast zweieinhalb Jahrzehnten vom Salzburgring – und damit aus Österreich.

Mick Doohan (AUS) Spielberg 1997 © GEPA Pictures Projekt Spielberg

Mick Doohan (AUS) Spielberg (AUT) 1997 © GEPA Pictures Projekt Spielberg


Auf dem Österreichring, in Sachen Tempo (hoch) und Sturzräume (kaum vorhanden) ein mindestens ebenso heikles Geläuf wie der Salzburgring, hatte in all den Jahren ebenfalls hochklassiger Motorradsport stattgefunden. Sogar die Superbike-Piloten waren regelmäßig zu Gast. Doch 1994, im selben Jahr also, als sich die WM vom Salzburgring verabschiedete, wurde es auch den Superbikern am Österreichring zu gefährlich. Jetzt hatte Österreichs Motorradrennsport erneut ein Problem: Zwei Strecken, aber beide nicht mehr zeitgemäß.

Und wieder, wie bereits Ende der 60er Jahre, hieß es: Vorteil Österreichring. Die Strecke wurde von 5,9 auf 4,3 Kilometer verkürzt und die einst schnellen Biegungen Sebringkurve, Boschkurve und Rindkurve wichen engen 1. und 2. Gang-Ecken. Die Veränderung des einstigen Highspeed-Parcours zu einem Stop-and-Go-Kurs moderner Prägung ging mit einer Namensänderung einher: Aus dem Österreichring wurde der A1-Ring, benannt nach einer Mobilfunkgesellschaft. Die Motorrad-WM-Piloten kehrten zurück nach Österreich. Doch es wurde ein kurzes Intermezzo. Nach nur zwei Rennen, 1996 und 1997, war Schluss mit der Herrlichkeit. Erst nachdem Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz, der die Rennstrecke bereits 2003 gekauft hatte, die behördliche Genehmigung zu einer Erneuerung der Infrastruktur (Boxen, Tribünen, Pressezentrum etc.) erhalten hatte und den Kurs 2011 neu eröffnete, kamen zunächst die Formel 1 (2014) und nun die MotoGP in die Obersteiermark zurück.

Spielberg (AUT) 1997 © GEPA Pictures Projekt Spielberg

Spielberg (AUT) 1997 © GEPA Pictures Projekt Spielberg


So erlebten Österreichs Motorrad-Fans am vergangenen Wochenende ein MotoGP-Spektakel, auf welches sie lange hatten warten müssen. Und wenn sie im nächsten Jahr erneut zum Red Bull Ring kommen, dann dürfen sie in der MotoGP-Klasse sogar zwei KTM-Piloten die Daumen drücken.

Erinnerungen an den Österreichring

Peter Öttl, 80ccm- und 125ccm-WM-Pilot, fünf Grand Prix-Siege, heute Teamchef SchedlGP-Racing (Moto3) „Ich stieg 1986 vom Motocross auf den Straßenrennsport um. Meine allerersten Meter fuhr ich auf dem Österreichring, an einem Testtag. Auf meiner ersten Runde bin ich doppelt erschrocken: Null Strohballen vor den Leitplanken und auf der Geraden runter zur zweiten Kurve überholte mich im 50-Zentimeter-Abstand ein anderer Pilot. Oh je, dachte ich, das ist etwas für Wahnsinnige! Ich kam aber gerade mal einen Kilometer weiter, dann ging mein Motor fest, ich stürzte und bin im Schnee liegengeblieben. Papa hat mich und mein kaputtes Motorrad mit seinem Mitsubishi abgeholt und an die Boxen zurück gebracht. Dort haben wir repariert. Wäre ich nicht sofort wieder aufgestiegen – ich hätte mit dem Straßenrennsport aufgehört. Ein paar Wochen später aber habe ich mein erstes Rennen, den DM-Lauf in Speyer, gewonnen. Wegen dieser Erfahrung wird der Österreichring für mich immer eine besondere Strecke bleiben.“

August („Gustl“) Auinger, fünf Grand-Prix-Siege in der 125er-Klasse, heute Nachwuchs-Coach im Red Bull MotoGP Rookies Cup „Es war Mitte/Ende der 70er Jahre. Mir fehlte das Geld für eine Cantilever-Federung des Schweizer Tuners Egli. Also habe ich eine Egli-Cantilever-Federung abfotografiert und sie nachgebaut. Ich arbeitete als Maschinenschlosser bei den Österreichischen Bundesbahnen, so hatte ich Zugang zu Blechen. Dann meine ersten Runden mit der Selfmade-Federung auf dem Österreichring: Anfahrt zur schnellen zweiten Kurve, es macht einen Schlag und das Federbein bricht ab. Gott sei Dank ist das am Kurveneingang passiert, so bin ich lange auf dem Asphalt gerutscht und nicht hart eingeschlagen. Der „Schneckerl“, der damals den Castrol-Renndienst gemacht hat und dem ich die Reste meiner Morbidelli zum Schweißen gebracht habe, hat mich geschimpft. Denn ich hatte viel zu dünnes Blech verbaut. Es war klar, dass das Federbein brechen wird. Auf dem alten Ring, mit den schnellen Kurven, hätte das tödlich enden können.“

Andreas Meklau, Laufsieger Superbike-WM 1993 am Österreichring, heute Rennleiter am Red Bull Ring „Als wir 1993 morgens an die Rennstrecke gekommen sind, standen Kühe auf der Start-/Zielgeraden. Die sind von irgendeinem Bauern ausgebüchst. Das passiert heute nicht mehr. Aber Hasen oder Rehe schaffen es immer noch manchmal auf die Strecke. Trotz Zäunen und einem Jäger, der aufpasst. Früher gab es sogar tödliche Unfälle, weil Motorradrennfahrer oben auf der Schönberggeraden in Wild gefahren sind.“

Fotos: Samo Vidic | GEPA Pictures Projekt Spielberg | KTM

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