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Collecting Moments #7: Das Training nach einer Knieverletzung

Der Moment, wenn man im Krankenhaus die Diagnose und die Details zu einer Verletzung erfährt, kann in vielen Fällen sehr ernüchternd sein. Man geht ja zu Beginn meist davon aus, dass es „halb so schlimm“ ist und hofft auf gute Neuigkeiten. Natürlich hatte auch ich diesen kleinen Funken Hoffnung …

Ich kann mich noch recht gut daran erinnern, wie es war, als meine Mutter die Türe zur Unfallchirurgie öffnete und wir in das Ordinationszimmer einrollten. Meine MRT-Bilder auf dem Bildschirm habe ich sofort erkannt. Der Primar diskutierte am Telefon gerade meine Verletzung im Detail mit seinem Kollegen, seine Worte dazu: „Ja, da hat sich die Madame schon Mühe gegeben, schaut nicht so gut aus …“ Mir hat es fast den Boden unter den Füßen weggezogen, denn eigentlich hatte ich das Gefühl, dass alles wahrscheinlich halb so schlimm ist.

So, was nun? Operieren ja oder nein? Nachdem ich mir verschiedene Meinungen zum Zustand meines Knies angehört hatte, blieb ich bei der Entscheidung, mich nicht operieren zu lassen und bis heute bereue ich es keine Sekunde. Es gibt Studien, die beweisen, dass sich das Knie in vielen Fällen wieder „selbst reparieren“ kann. Es entwickelt eine Art Gewebe, das dem Knie die durch den Bänderriss verloren gegangene Stabilität wiedergibt. Der einzige Nachteil: Es dauert Monate! Man kann also abwägen und entscheiden. Einen Eingriff ins Knie ohne Garantie, dass es danach wirklich besser ist oder monatelanges Training, geduldig sein und dem Körper Zeit geben? Ich muss dazu sagen, dass das natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich ist, in meiner Situation hatte ich „Glück im Unglück“, die Chancen ohne OP wieder fit zu werden, standen gut für mich.

© Anna-Larissa Redinger


Wie und was habe ich trainiert, um nach der Verletzung wieder fit zu werden?

Allgemein ist das Ziel des Trainings nach einer Knieverletzung der Muskelaufbau. Unmittelbar nach der Verletzung heißt es zu Beginn erstmal Ruhe geben – das ist für die Muskeln natürlich suboptimal, denn die werden ordentlich und in einem rasanten Tempo abgebaut. Die Stabilität im Knie ist nach der Ruhephase fast nicht mehr gegeben, denn weder die Bänder, noch die Muskeln geben ausreichend Halt, zumindest nicht für sportliche Tätigkeiten. Im Alltag wird man sich allerdings recht schnell wieder zurechtfinden.

Für mich als Outdoor-Menschen war es anfangs nicht so einfach zu akzeptieren, dass ein Teil des Trainings auch Indoor mit Geräten in der Kraftkammer würde stattfinden müssen. Der Gedanke, erst wieder 100% fit werden zu müssen, um wieder auf meine KTM steigen zu können, hat mich aber motiviert und so nahm ich die Stunden in der Kraftkammer gerne in Kauf. Eine Übung, die beim Muskelaufbau seit Jahrzehnten einfach am effektivsten ist, ist die Kniebeuge. Wichtig ist aber darauf zu achten, die Übung richtig zu machen und sich langsam zu steigern. Aber auch Koordination und Gleichgewichtsübungen auf dem Indo Board sind super und machen auch noch Spaß! Es gibt noch viele weitere Übungen, die man in der Kraftkammer oder zu Hause machen kann, auch die Beinpresse ist ein tolles Gerät. Ich habe viel davon gemeinsam mit meinem Physiotherapeuten gemacht, denn beim Training gilt: Qualität vor Quantität. Die Übungen sind effizienter, wenn sie genau und richtig ausgeführt werden.

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© Anna-Larissa Redinger

Eine meiner ersten richtigen Outdoor-Aktivitäten nach der Verletzung: eine Skitour gehen. Nicht viele würden Skitouren gehen als passendes Comeback-Training nach einer Knieverletzung sehen; ist es zugegebenermaßen auch nur bedingt. Der Aufstieg ist eine großartige Bewegung, denn ähnlich wie beim Wandern, werden das Knie und die Muskulatur kontrolliert und gleichmäßig in einem guten Rhythmus bewegt. Abgesehen davon, tut die frische Bergluft der Seele gut. Schwierig gestaltet sich nur die Abfahrt. Skifahren ist für das Knie natürlich nicht ideal, weshalb ich zu Beginn des Trainings auf die Gondel ausgewichen bin. Auch, wenn das für mich als leidenschaftliche Skifahrerin irgendwie absurd war. Am Ende war ich aber einfach dankbar, wieder draußen aktiv sein zu können, da geht man den ein oder anderen Kompromiss gerne ein.

© Anna-Larissa Redinger


Neben dem Skitouren gehen, habe ich sehr bald wieder mit dem Mountainbike fahren begonnen. Es war so ein grandioses Gefühl, wieder auf mein vertrautes Cannondale Jekyll zu steigen und in die Pedale zu treten. Das Jekyll ist ja ein „Enduro“-Mountainbike, die Sitzposition und die Bewegungen erinnerten mich oft ans Enduro fahren auf meiner KTM, einfach traumhaft! Ich war wirklich binnen kürzester Zeit wieder sehr aktiv und konnte außerordentlich gut trainieren.

© Anna-Larissa Redinger


Eines muss ich allerdings dazu sagen: Das gesamte Training wäre ohne meine Ortema K-COM nicht möglich gewesen. Die Orthese gab meinem Knie die fehlende Stabilität und erweiterte meine Trainingsmöglichkeiten maßgeblich. Ich durfte wieder draußen sein und das Gefühl von Freiheit erleben – das alles dank meinem Trainingspartner der K-COM.

Nun sind es schon fast 7 Monate ohne meine geliebte KTM! Es war wirklich hart, andauernd geduldig zu sein. Vergangenes Jahr um diese Zeit, habe ich mich mental auf meine Teilnahme bei den Red Bull Romaniacs vorbereitet. Die beste Motivation damals war es, mir den Moment, in dem ich das Ziel erreiche und durch den Red Bull-Bogen fahre, ganz deutlich zu visualisieren. So überlebte ich die vier Tage im rumänischen Wald, der einen wirklich an die Grenzen bringen kann. Heute, ein Jahr später, denke ich an denselben Moment, ich habe ihn erlebt! Das Gefühl und die damit verbundenen Emotionen konnte ich so verinnerlichen, sie haben mich in den letzten Monaten unheimlich gestärkt. Es war wirklich schwer, aber ich bereue es nicht!

© Esterpower


Mein Knie hat sich dank des Trainings und meiner Ortema K-COM unfassbar gut erholt. Ich fühle mich fit und bereit für meine KTM; ein Gefühl, von dem ich sehr lange Zeit ganz weit weg war. Bald ist es soweit und ich steige auf, drücke den E-Starter und schalte alles um mich herum aus. „READY TO RACE?“ – noch nicht ganz, aber fast!

Erfahre mehr über Larissa auf dem KTM BLOG unter Collecting Moments #6: Der Weg zurück oder auf ihrer Webseite!

Fotos: Anna-Larissa Redinger | Esterpower

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