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Bei der Dakar ungeschlagen – die KTM 450 RALLY

KTM konnte die Rallye Dakar nicht weniger als 16 Mal in Folge gewinnen. Selbst seit 2011, als die Regeln geändert und die Hubraumgrenze auf maximal 450ccm herabgesetzt wurde, um weitere Hersteller anzulocken, gewann KTM jedes einzelne Rennen. Mit ihrem für 2018 brandneuen Bike kommt KTM wieder gut vorbereitet, voll motiviert und mit der Hoffnung auf den 17. Sieg nach Südamerika …

KTM 450 RALLY 2017 © Marcin Kin


Seit der Übersiedlung der Rally von Afrika nach Südamerika im Jahr 2009 unterscheiden sich die Routen und Terrains dramatisch von den langen Vollgasprüfungen der ‚ursprünglichen‘ Dakar in Nordafrika. 2011 wurden die Hersteller dazu verpflichtet, keine Motorräder mit mehr als 450ccm Hubraum mehr an den Start zu bringen. Das wurde damit beworben, dass man ‚gleiche Voraussetzungen schaffen‘ wolle, um weitere Marken und damit potentielle Sieger anzulocken. Zu diesem Zeitpunkt hatte KTM bereits die vorherigen neun Rallys gewonnen. Der andere Faktor war die Sicherheit. Indem man den Hubraum der Bikes reduzierte, sollten die Geschwindigkeiten verringert und das Handling der Bikes verbessert werden, um es einfacher zu machen, die zweiwöchige Veranstaltung durchzustehen.

Im Vorfeld der Dakar 2011 hatte KTM nur wenig Zeit zur Verfügung, um eine spezialisierte 450er zu entwickeln. KTMs Lösung bestand darin, den 450ccm-Vergaser-Motor einer Motocross-Maschine in das Fahrwerk ihrer bei der Dakar bereits siegverwöhnten KTM 690 RALLY einzupflanzen. Eine etwas plumpe Lösung, aber das Bike war ein Erfolg und trug Marc Coma zu seinem dritten Sieg.

Marc Coma (ESP) KTM 450 RALLY 2011 © Future7Media


Erst 2014 veröffentlichte KTM seine erste speziell auf diese Veranstaltung zugeschnittene KTM 450 RALLY. Das Bike wurde um einen neuen 450ccm-Motor mit elektronischer Kraftstoffeinspritzung herum entwickelt und das Ergebnis war ein wesentlich wendigeres Bike. Die 450 trug Marc Coma zu einem weiteren Sieg und setzte seinen Siegeszug bei der Rallye Dakar Jahr für Jahr fort – bis zum Sieg von Sam Sunderland im Jahr 2017. Trotz des anhaltenden Erfolgs ruhte man sich bei KTM nicht auf den Lorbeeren aus, sondern plante bereits eine neuere, schlankere und noch schnellere Maschine.

Die Entwicklungsarbeit nahm zwei Jahre in Anspruch, aber die haben sich gelohnt: Die neueste Version der KTM 450 RALLY ist die bisher leistungsfähigste. Auf den ersten Blick fällt bereits auf, dass das Bike schlanker und wendiger wurde. Unter dem neuen Bodywork und Kraftstofftank stecken eine Reihe weiterer Änderungen, die zusammen ein siegfähiges Bike ergeben.

Rahmen und Schwinge sind neu und machen das Bike merkbar schmäler, was sich auch in einem engeren Knieschluss für die Fahrer niederschlägt. Dank seines verbesserten Designs und niedrigeren Gewichts – es wiegt über 10 kg weniger als das Vorgängermodell – sind technischere Abschnitte für dieses Motorrad kein Problem. Der Schwerpunkt des Bikes liegt niedriger und wurde nach vorne verlagert, um die Stabilität und das Handling bei hohen Geschwindigkeiten zu verbessern.

KTM 450 RALLY 2017 © Marcin Kin


Der Schwingendrehpunkt sitzt nun im hinteren Teil des Fahrwerks, was zu einem steiferen Heck beiträgt und dem Bike beim Befahren extremer Terrains die Nervosität nimmt. Der Heckrahmen ist nun völlig selbsttragend, aus Kohlefaser gefertigt und beherbergt einen der beiden Kraftstofftanks. Voll betankt verfügt das Bike über einen Kraftstofftankinhalt von ca. 31 Litern. Um den weiteren Änderungen am Fahrwerk zu entsprechen, verrichtet vorne jetzt eine gewaltige 52mm-Gabel von WP ihren Dienst – eine weitere große Verbesserung gegenüber der 48mm-Version des alten Modells.

Die Größe der Räder hat sich nicht verändert – 21 Zoll vorne und 18 Zoll hinten, beide mit Michelin-Reifen und Mousse ausgerüstet. Bremsen von Moto-Master sorgen für die Verzögerung. Hinten ist eine 240mm-Scheibe angebracht, während das Vorderrad über eine riesige 300mm-Scheibe verfügt. Beide bieten genug Bremskraft, um das Bike aus Geschwindigkeiten von über 180 km/h sicher zum Stillstand zu bringen.

KTM 450 RALLY 2017 © Marcin Kin


Mit einer aggressiven, schwarzen Optik ausgerüstet, fuhr Matthias Walkner die neue 450er zu einem Sieg beim letzten Lauf zur 2017er FIM Cross-Country-Rallies-Weltmeisterschaft in Marokko. Es war Matthias‘ erster Sieg der Saison und der Österreicher schrieb den Erfolg dem verbesserten Gefühl für das neue Bike zu.

„Das neue Bike ist eine gewaltige Verbesserung“, gab Matthias zu Protokoll. „Es fühlt sich beim Fahren viel sicherer an, obwohl es gleichzeitig auch schneller ist. Ich glaube, dass die Inputs der jüngeren Fahrer viel zum Fortschritt des Bikes beigetragen und dafür gesorgt haben, dass es dem Fahrstil von heute entspricht. Das alte Bike war ein Produkt der Rennszene von vor fünf oder sechs Jahren. Von Fahrern wie Marc Coma oder Jordi Viladoms, die an Maschinen mit mehr Hubraum gewöhnt waren und vielleicht einen anderen Stil hatten als wir heute. Viele der neuen, jüngeren Fahrer kommen aus dem Motocross-Sport und bevorzugen das leichtere, schlankere Gefühl des neuen Bikes.“

Matthias Walkner (AUT) KTM 450 RALLY 2017 © Future7Media


Um den Änderungen am Fahrwerk zu entsprechen, wurde ein neuer 450ccm-1-Zylinder-Motor eingebaut. Dieser bietet nicht nur eine höhere Spitzenleistung, sondern auch ein verbessertes Ansprechverhalten. Das wurde durch einen völlig neuen Drosselklappenkörper und ein neues Motormanagementsystem erreicht. Damit ist das Bike nicht nur schneller sondern auch bei niedrigeren Geschwindigkeiten, wenn es richtig schwierig wird und der Fahrer ein Mehr an Kontrolle benötigt, einfacher zu fahren.

All diese Vorteile werden bei einer Rallye wie der Dakar richtig zur Geltung kommen. Dank einer Distanz von beinahe 9.000 km und 14 Sonderprüfungen verlangt dieses Rennen sowohl vom Fahrer als auch seiner Maschine seinen Tribut. Das neue Bike ist in schnellen Abschnitten leichter zu fahren und auch in den langsameren, technischen Passagen einfacher zu kontrollieren, was den Fahrern helfen wird, wach und konzentriert zu bleiben.

KTM 450 RALLY 2017 © Marcin Kin


Laia Sanz wird 2018 ihre achte Dakar bestreiten. Die mehrfache Enduro- und Trials-Weltmeisterin aus Spanien glaubt, dass die neue 450er zu ihr vielleicht noch besser passen wird als zu ihren Teamkollegen.

„Ich könnte mit dem neuen Bike nicht glücklicher sein“, sagt Laia. Es fühlte sich im Oktober bei der OiLibya Rally so gut an. Es ist nicht nur leichter und schneller, sondern auch stabiler, und das macht auf den Prüfungen den Unterschied. Wenn du unerwartet in ein Schlagloch fährst oder plötzlich ein Sprung auftaucht, bleibt das Bike immer völlig ruhig, was ein riesiger Fortschritt gegenüber dem alten Motorrad ist. Ich bin nicht so stark wie manche andere Fahrer im Team, deshalb ist es für mich wahrscheinlich von besonderem Vorteil, ein wendigeres, leichteres Bike zu haben.”

Laia Sanz (ESP) KTM 450 RALLY 2017 © Future7Media


Für den Gewinner der 2016er-Ausgabe der Dakar, Toby Price, war es ein durchwachsenes Jahr. Der Australier verletzte sich in der vierten Prüfung der 2017er-Dakar am Bein – er hatte versucht, Zeit gutzumachen, stürzte dabei in einem Flussbett und brach sich den linken Oberschenkel. Es folgte ein Jahr der Rehabilitation und schließlich waren weitere Operationen erforderlich, um sein linkes Knie in Ordnung zu bringen und den Bolzen in seinem Oberschenkelknochen auszutauschen.

Toby verbrachte in der Saison 2017 nur wenig Zeit auf dem Motorrad und konnte die neue KTM 450 RALLY in ihrer aktuellen Form nur wenige Wochen lang testen. Trotz dieses Trainingsrückstandes ist der frühere Dakar-Sieger zuversichtlich, die neue 450er zu einem Top-Resultat fahren zu können.

„Das Bike hat in den letzten 12 Monaten riesige Fortschritte gemacht“, so Price. „Selbst von außen sieht man, wo es verbessert wurde und warum es in den technischeren Abschnitten der Rally glänzen sollte. Dank seines geringen Gewichts und ihrer Wendigkeit sollten die Fahrer in den langen Prüfungen weniger schnell ermüden – es hat in der Entwicklungsphase vielleicht 10 Kilos verloren und das fühlst du beim Fahren ganz klar. Mein erster echter Test wird die Dakar selbst werden, aber die Ergebnisse von Marokko machen klar, wie stark das Bike ist. Und jeder im Team scheint es zu lieben, damit zu fahren. Ich freue mich total darauf, herauszufinden, wozu es fähig ist.“

Toby Price (AUS) KTM 450 RALLY 2017 © Future7Media


Die Rallye Dakar beginnt am 6. Januar 2018. Beinahe 200 Motorräder werden in der Wüste Perus zu ihrer 9.000 km langen Reise starten und hoffentlich das Ziel in der argentinischen Stadt Cordoba erreichen. Das KTM-Team um Sunderland, Walkner, Price, Meo, Sanz und Benavides wird versuchen, die neue KTM 450 RALLY mit einem weiteren Sieg, dem 17. in Folge für den österreichischen Hersteller, gebührend einzuweihen.

DIE SPEZIFIKATIONEN DER KTM 450 RALLY

  1. MOTOR: 1-Zylinder, 4-Takt, 449,3ccm

  2. MOTORMANAGEMENTSYSTEM: Keihin-Motormanagementsystem mit elektronischer Kraftstoffeinspritzung

  3. GETRIEBE: 6 Gänge, Endübersetzung 14:48, Mehrscheibenkupplung im Ölbad

  4. KÜHLSYSTEM: Flüssigkeitsgekühlt

  5. FAHRWERK: Chrom-Molybdän-Gitterrohrrahmen, selbsttragender Heckrahmen aus Kohlefaser

  6. FEDERUNG: 52mm-Upside-down-Gabel von WP, WP-Federbein mit Umlenkung, 300mm Federweg vorne und hinten

  7. BREMSEN: 300mm-Bremsscheibe vorn / 240mm hinten von Moto-Master

  8. ENDSCHALLDÄMPFER: Akrapovič, Titan

  9. KRAFTSTOFFTANKINHALT: ca. 31 Liter

  10. GEWICHT: Ca. 138 kg (trocken)


Fotos: Marcin Kin | Future7Media Video: GSP Media/KTM

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