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Andrea Migno über Rennen fahren mit SKY Racing Team VR46 und KTM

Andrea Migno, 19 Jahre, aus Saludecio in der Provinz Rimini, drehte im Alter von acht Jahren seine ersten Runden auf dem Minimotorrad. 2010 bestritt er mit einer Trofeo Honda 125GP sein erstes „Serien“-Motorradrennen, bei dem er den sechsten Platz belegte.


Andrea Migno & KTM RC 125

Andrea Migno & KTM RC 125


Seinen Einstieg in die internationale Rennwelt hatte er 2011, als er beim Red Bull MotoGP Rookies Cup antrat und an den letzten beiden Rennen der Spanischen Meisterschaft (CEV) teilnahm, wo er sich in Jerez als Zweiter platzierte.

In Spanien erfolgte sein Umstieg auf die Moto3-Serie, wo er sich konstant steigern und 2013 Rang 8 einnehmen konnte. In dieser Saison ist er Teil des von Valentino Rossi gegründeten Teams VR46 Academy, für die er an der spanischen FIM CEV Repsol Meisterschaft mit einer KALEX-KTM antritt und regelmäßig vordere Plätze einfährt.

Seine Leistungen haben auch das Interesse von Mahindra geweckt, der beschloss, ihm, für die zweite Hälfte der Moto3-WM 2014 ab dem Rennen in Silverstone Migno das Motorrad des bisherigen Piloten Sissis anzuvertrauen. Nicht zuletzt dank seines 8. Ranges in Misano hat das Team Sky Racing VR46 Andrea Migno zum Teamkollegen von Romano Fenati bestimmt, mit dem zusammen er nun seine erste Saison als Stammfahrer bestreitet.


KTM Italien Marketing Manager Paolo Fabiano & Andrea Migno

KTM Italien Marketing Manager Paolo Fabiano & Andrea Migno


Andrea, wie bist du zum Motorradsport gekommen? „Meine Begeisterung für Zweiräder machte sich zum ersten Mal bemerkbar, als ich in der Nähe von unserem Haus an einer Minimotorradstrecke vorbeikam. Ich muss da ungefähr acht gewesen sein. Das war Liebe auf den ersten Blick. Jedes Mal, wenn ich dort vorbeiging, bat ich meinen Vater wieder und wieder, einmal eines dieser kleinen und ultraschnellen Kleinmotorräder fahren zu dürfen. Ich habe meine Eltern damit so sehr genervt, dass sie sich schließlich haben überzeugen lassen, mich einmal damit fahren zu lassen.“

Wer war damals dein Idol? „Keine Frage! Valentino Rossi natürlich!“

Und jetzt, wo du ihn häufig siehst, wie erlebst du euer Verhältnis? „Vale (Valentino Rossi) ist wirklich ein ganz besonderer Typ, wie ein älterer Bruder, mit dem du eine Menge Spaß hast und dem es immer gelingt, dir den richtigen Rat zu geben, damit du dich verbesserst. Er flößt dir ein enormes Vertrauen ein und gibt dir unglaublich viel Kraft!“

Wie bist du zur VR46 Academy gekommen? „2012 hatte ich mit dem Team, mit dem ich die Saison bestritt, ein paar Probleme und ein Freund von Vale bot mir an, bei der Italienischen Superbike Meisterschaft (CIV) anzutreten. Leider bin ich da gestürzt und habe mir das Schlüsselbein gebrochen. Es folgte eine lange Reha-Phase, während der ich in der Sporthalle den Fitnesstrainer der VR46 Academy kennenlernte. Ich würde also sagen, dass sich aus einem Problem eine wunderbare Gelegenheit ergeben hat!“

Wir würden alle furchtbar gern wissen, was ihr auf der Motor-Ranch macht und was an ihr – von Rossi einmal abgesehen – so besonders ist. „Die Ranch ist für uns von der VR46 Academy wie der Bolzplatz vor der Haustür, aber eben sehr, sehr speziell. An diesem Ort kannst du deiner Leidenschaft nachgehen; ich muss wirklich sagen, einen besseren Ort gibt es nicht auf der Welt! Wir trainieren dort sehr hart, haben aber auch jede Menge Spaß! Ich verfeinere meine Fahrtechnik auf einer KTM 450 SX-F MY15 (mit Änderungen an den Felgen und der Federung, um damit auf der Ranch fahren zu können), mit der ich sehr zufrieden bin, da sie mir immer das gibt, was ein Pilot braucht: einen starken Antrieb, einen starken Motor und … starke Wheelies!“


Andrea Migno & KTM 450 SX

Andrea Migno & KTM 450 SX-F


Wie würdest du deine Saison 2015 beim Sky Racing Team VR46 bewerten? „Ich bin Optimist und meine Ergebnisse werden von Mal zu Mal besser. Jedes Rennen ist anders und baut mich auf, deshalb würde ich zum jetzigen Zeitpunkt eine positive Bilanz ziehen. Ich bin eher der fröhliche und zuversichtliche Typ, bleibe jedoch stets konzentriert und verspüre den Wunsch, mich zu verbessern. Das gehört zu meinem Charakter: immer eine gewisse Unzufriedenheit und das Verlangen nach mehr.“

Was gefällt dir an deiner KTM RC 250 GP? „Was mir bei der RC 250 GP zuerst einfällt, wäre, dass man sie wohl besser mit ‘Sie’ anreden sollte, so empfindlich wie sie auf Justierungen reagiert … Sie hat einen starken Motor, doch ist die Fahrwerkseinstellung im Vergleich zu anderen Motorrädern schwieriger. Hast du aber einmal den Dreh raus, macht sie genau das, was du von ihr verlangst!“

Misano steht vor der Tür. Wie siehst du den Heim-GP? „Natürlich ist das kein GP wie die anderen … Hier gibt es mehr Herzblut, mehr Atmosphäre, mehr Fans. Die Hitze des Publikums überträgt sich auf uns und spornt uns an.“

Neben der Motor-Ranch ist Misano ja genau die Piste, auf der ihr Piloten der VR46 Academy trainiert. Da ihr nicht ständig mit einer Wettkampfmaschine trainieren könnt, verwendet ihr auch eine Straßen-KTM, richtig? „Misano eignet sich wunderbar für die Vorbereitung und die zwölf Tage, die wir in Zusammenarbeit mit dem Italienischen Motorradverband organisiert haben, geben mir das Gefühl, dass ich die Strecke auch mit geschlossenen Augen fahren könnte! Und dann mit der RC 390 …“

Wie fühlst du dich mit der RC 390 CUP? „Super! Die Leistungen sind gut, wir haben Spaß miteinander, sie ist leicht und fürs Training bestens geeignet. Alle Jungs der VR46 Academy lieben sie.“

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen ihr und deiner RC 250 GP? „Nun, die RC 390 ist weit entfernt von der Moto3-Maschine, mit der ich an der WM teilnehme, aber die DNA ‘READY TO RACE’, die spürst du sofort: Sie verlangt einen sportlichen Fahrstil, hat einen robusten Gitterrohrrahmen, eine voll einstellbare Federung, ausgezeichnete Bremsen … Mir gefällt sie!“

Würdest du sie Jugendlichen empfehlen, die bei einem moderaten Preis einsteigen wollen? „Unbedingt! Für den Einstieg ist sie perfekt. Du kannst die technischen Eigenschaften anpassen, um die Maschine korrekt auf der Piste zu führen und du bist in der KTM Welt. Die RC 390 ist eine gute Brücke zum Umstieg auf höhere Kategorien wie beispielsweise Motorräder für den Rookies Cup. Ich hatte Gelegenheit, bei der Superbike-Meisterschaft (CIV) in Imola dabei zu sein, bei der auch KTM RC 390 CUP-Maschinen an den Start gehen. Man merkt sofort, dass die Piloten, auch wenn sie mit Serienmaschinen unterwegs sind, viel Spaß haben und es richtig zur Sache geht.“

Reden wir ein wenig über deinen Alltag. Wie läuft ein typischer Tag bei dir ab? Training, Arbeitsverpflichtungen, Freunde usw. „Nachdem ich morgens ein paar persönliche Dinge erledigt habe, fahre ich zum Training in die Sporthalle oder zur Ranch, um dort zu trainieren, je nachdem, was auf dem Plan steht. Ansonsten bin ich ein ganz normaler neunzehnjähriger Jugendlicher, der sich abends in seiner Freizeit mit Freunden auf der Piazza trifft, um stundenlang über Motorräder zu quatschen oder der Zuhause mit der Play Station spielt. Ich würde sagen, dass ich eher ein ruhiger Typ bin, was mich jedoch nicht davon abhält, Spaß zu haben und mit Freunden schöne Momente zu haben.“

Du lebst in einer Region, wo Krafträder und Autos tief in der lokalen Kultur verankert sind. Wie bewegst du dich im Alltag fort? „Ich fahre eine KTM RC 125, die mir KTM Italia zur Verfügung gestellt hat. Insbesondere im Sommer ist es absolut notwendig, ein Motorrad zu haben, um sich fortbewegen zu können. Ich wohne nur wenige Kilometer vom Meer entfernt, wenn dann zum normalen Verkehr der Touristenverkehr hinzukommt, bist du ohne Zweirad unter deinem Hintern verloren!“

Was gefällt dir an der RC? „Ich bin ganz verrückt nach ihr. Man spürt, dass das ein Motorrad neuer Bauart ist: modern, sicher und gut zu fahren. Allein oder mit Beifahrer, die Maschine fährt sich super bequem, hat ein gutes Straßenverhalten, ich würde sagen, dass sie perfekt für meine täglichen Fahrten geeignet ist. Sie gefällt übrigens auch den anderen Jungs der VR46 Academy, die ehrlich gesagt etwas neidisch sind.“


Andrea Migno & KTM RC 125

Andrea Migno & KTM RC 125


Eine RC 125 …, ist das für einen Piloten, der an eine Moto3-Maschine gewöhnt ist, nicht ein bisschen sehr langsam? Du könntest eine 390 fahren! „Meiner Meinung nach sind 125 ccm mehr als ausreichend. Sicherlich wären Leistung und Beschleunigung der RC 390 besser, aber mit der 125 fahre ich ganz entspannt, ich bin niemals zu schnell und gehe keinerlei Risiko ein! Auf der Rennstrecke muss ich schnell sein, hier in den Hügeln rund um unser Haus genügen mir die 15 PS meiner 125er voll und ganz.“

Jugendliche und Motorräder … Stimmt es, dass das Interesse an Motorrädern immer mehr abnimmt? „Was soll ich sagen? Ich, der sich für alles, was einen Motor hat, riesig begeistert, kann dir natürlich nicht recht geben, aber leider muss ich zugeben, dass Motorräder heute weniger ‘in’ sind.“

Liegt es daran, dass alle am Smartphone hängen und lieber in den sozialen Netzwerken unterwegs sind? „Ja, auf jeden Fall. Die Kids und Jugendlichen von heute kommunizieren in Chats, sie gehen nicht mehr raus, um sich zu treffen, sie haben ihren virtuellen Treffpunkt. Wie ich dir schon gesagt habe, ich treffe mich lieber mit meinen Freunden draußen auf der Piazza, so wie du, Paolo, es im vergangenen Jahrhundert auch gemacht hast, stimmt’s?“

Aber du bist doch auch in sozialen Medien unterwegs … und trotzdem fährst du Motorrad … „Es ist ja nicht so, als würde sich beides ausschließen! Ich bin eben ein leidenschaftlicher Motorradfahrer, ob Regen oder Kälte: Ich ziehe mich entsprechend an und steige auf mein Motorrad. Das ist einfach meine Leidenschaft. Und wie ich mir oft selbst sage: Man muss seinen Leidenschaften folgen, worin auch immer sie bestehen mögen …“

Was können wir Motorradhersteller tun, um Jugendliche wieder mehr für den Motorradsport zu begeistern? „Keine Ahnung, ich bin kein Hellseher, entweder du begeisterst dich für etwas oder du tust es nicht.

Klar, wenn es Motorräder gratis gäbe … Aber da es nicht so ist, hat die Motorradbranche – wie andere auch – Schwierigkeiten. Auch muss ich zugeben, dass die Wirtschaftskrise das Motorrad nicht gerade begünstigt. Sehr häufig wird es als ein überflüssiges Gut betrachtet. Und auch die Verkehrsbedingungen lassen einen manchmal von dem Wunsch, sich ein Motorrad anzuschaffen, Abstand nehmen und sich lieber dem Auto zuwenden. Aber wer weiß, vielleicht ist in zehn Jahren alles ganz anders.”

In Brünn haben wir dich den Sieg des Honda-Piloten Nicolò Antonelli bejubeln sehen. Eine sportliche Geste. Nicolò ist ebenfalls beim Projekt VR46 Academy dabei. Es sieht so aus, als ob es zwischen euch Piloten eine echte Freundschaft gibt. „Denselben Eindruck hatte ich übrigens auch im Fahrerlager von Imola bei der CIV, als du die Piloten, die bei der Italienischen Meisterschaft antreten, so herzlich begrüßt hast. Stimmt es also, dass ihr nur auf der Piste Gegner seid?

Das stimmt. Auf der Strecke sind wir bis zur Zielfahne alle Gegner, aber schon in der Auslaufrunde, bevor es wieder in die Box geht, sind wir alle wieder Brüder. Das ist das Schöne an unserem Sport oder besser gesagt am Sport im Allgemeinen. Klar, es steht eine Menge auf dem Spiel, aber wir sind alle jung und für junge Menschen sind Spaß und Freundschaft grundlegende Werte, nicht wahr?“

Andrea, eine letzte Frage: Gibt es neben Motorrädern und Freunden auch noch Raum für „das schöne Geschlecht“? „Na klar! Auch ich gehöre zum Club ‘WLF’. Wir sind jung und wollen Spaß haben, also geht es in unserem Leben um Motorräder, Freunde und natürlich Mädchen!“

Fotos: Consegna Moto | Andrea Migno

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